Sonntag, 20. Dezember 2015

unperfekt

Wie häufig begegne ich doch auf anderen Blogs tollen Frauen, die Bewundernswertes leisten und ihr Leben aufs Vorbildlichste meistern. Einige leben komplett vegan, andere verzichten wo immer es nur geht auf Zucker. Es wird täglich frisch gebacken, gekocht und gewerkelt, was das Zeug hält. Handarbeiten, Diäten, Modeikonen, ehrenamtliche Helfer. Es scheint beinahe dass so gut wie jede andere etwas absolut Bemerkenswertes leistet. Ob es sich um striktes Kalorienzählen handelt oder auch mehrmals wöchentliches Joggen, beinahe überall scheint man sich zu überwinden und Disziplin wird ganz groß geschrieben. Das meine ich jetzt übrigens keinesfalls negativ, sondern das hat definitiv Anerkennung verdient. 

Bei jedem dieser Beiträge kommt Frau ans Grübeln. Mein Motto lautet ja "Sport ist Mord" und im Handarbeiten war ich schon immer eine Niete. Ich kann weder malen, noch singen und der Abstecher ins vegane Leben hat deutlich gezeigt, dass dies nicht mein Weg ist. Bin ich deshalb unzulänglich? Oder weil ich gerne schlemme? Keine Nachrichten anschaue und auf meinem Blog keine politischen Diskussionen führe? Die > Wilde Wölfin < schrieb neulich schon einen Artikel darüber, dass das, was wir bei anderen lesen, immer nur ein Ausschnitt aus deren Leben ist. Anders kann es ja auch gar nicht sein. Denn egal wie öffentlich wir auch online leben mögen - unsere echten Sorgen, Ängste und Schwächen geben wir doch in der Regel nicht preis. Und das ist auch vollkommen in Ordnung.

Eher berichten wir davon oder erzählen darüber was wir gut machen, worauf wir stolz sind, was wir können. Oder machen einfach zum Thema was uns beschäftigt, womit wir uns beschäftigen, wer wir sind. Die Wahrheit ist einfach, wir sind nicht perfekt. Niemand von uns. Und ich schon gar nicht. Über Ernährung beispielsweise denke ich sehr häufig nach. Zum Beispiel darüber, dass nicht der Verzehr tierischer Produkte generell das Problem ist. Jedenfalls in meinen Augen. Sondern die Massentierhaltung ist es, die Art und Weise wie große Konzerne und Geldmacherei damit umgehen. Das haben wir im Prinzip alle mit zu verantworten, schon klar. Nur glaube ich nicht wirklich dass Verzicht auf Milchprodukte oder auch Fleisch generell in unserer Natur liegt. Selbstverständlich haben wir uns im Laufe der Evolution entwickelt. Wir bewegen uns weniger, verbrauchen somit weniger Energie und benötigen daher weitaus weniger gehaltvolle Nahrung als unsere Vorfahren, die noch wirklich hart körperlich arbeiteten. Das sind halt so Überlegungen.

Mit Zuckerverzehr sieht es ähnlich aus. Ich glaube einfach es ist das gesunde Mittelmaß, wie eigentlich immer im Leben, das den Ausschlag gibt. Extreme sind niemals gut. Egal in welcher Hinsicht. Also maßloses In-sich-hinein-Schlingen ist meiner Meinung nach genauso ungesund und unnatürlich wie das Leben der Models, die sich alles verkneifen, am besten noch nach den Mahlzeiten übergeben und sich von zwei Pfefferminzbonbons oder fünf Salatblättern am Tag "ernähren". Denn Nahrung ist immer noch eine Energie, die wir unserem Körper und somit uns zuführen. Sie nährt uns. Sollte im besten Fall stärken, heilen, kräftigen, versorgen, gut tun.

Schadet man sich denn wirklich, wenn man mal eine Pizza ist? Hin und wieder ein Steak oder auch Schokolade? Die Masse macht es einfach, so ist das. Die Hintergründe von Produktion, Herkunftsland ect. sind schon wieder ein ganz anderes Thema.

Ich will nur sagen: Ich glaube in uns allen gibt es einen natürlichen Ticker, der uns anzeigt was wir wirklich brauchen. Denn das wollen wir in der Regel: Ob es sich dabei um Fisch handeln mag, Traubenzucker, Obst oder auch Fleisch. Wir haben lediglich verlernt hinzuhören und unseren Körper als das zu betrachten, was er ist. Ein Individuum. Was dem Einen gut tut, schadet dem Anderen ganz klar. Laktose, Fructose, Gluten - es gibt so viele Unverträglichkeiten. Auch mein Crohn macht seine Mucken. Salat und Rohkost mögen noch so gesund sein, mein Darm reagiert auf diese gesunden und leckeren Lebensmittel nicht unbedingt freundlich. Es ist wie es ist. Nämlich dass es fast keine klaren Regeln gibt, die auf uns alle zutreffen würden.

Während also alle Welt Diät macht, fastet, täglich meditiert oder Gedankentagebuch führt, versuche ich einfach nur glücklich zu sein. So gut und so oft es geht. Glücklich zu sein und die, die ich liebe, glücklich zu machen. So gut und so oft ich es eben kann. Und in wie weit ich die Kraft dazu habe. Meinen Mann, unsere Katzen, meine Freundinnen. Und jedes andere Lebewesen, sofern es in meiner Macht liegt und ich dazu bereit bin. Vieles muß sich ändern, aber vieles davon kann tatsächlich nicht ich ändern. Ich glaube der alte Spruch ist schon nicht verkehrt, der sagt dass wir anfangen sollten vor unserer eigenen Haustüre zu kehren, bevor wir bei anderen und woanders Fehler suchen. Dann nämlich wäre diese Welt auch schon ein besserer Ort. Wenn wir alle einfach nur unser direktes Umfeld betrachten und darauf achten würden. Dass was wir direkt beeinflussen können. Nur ist die Welt leider nicht so. Traurig, aber wahr.

Insofern finde ich es nach wie vor toll, die Leistungen und Herausforderungen der anderen zu betrachten und daran teilhaben zu dürfen. Sonst würde ich ja nicht so gerne Blogs lesen. Es kommt halt nur darauf an zu unterscheiden. Was für andere richtig und wichtig ist muß für mich nicht automatisch dasselbe bedeuten. Wir sind nunmal verschieden. Haben unterschiedliche Prioritäten. Jeder trägt sein kleines Kreuzchen, jeder hat seine Freuden, seine Laster, seine Obsessionen. Deshalb ist es gut sich nicht ständig mit anderen zu vergleichen. Wir sind schon gut so, wie wir sind. Nicht jeder kann alles können. Wollten wir das denn überhaupt...? Seid stolz auf das, was Ihr erreicht habt, wie Ihr lebt und was Ihr lebt. Und freut Euch für die Anderen, für das, was sie haben. Und wenn es nicht genug ist, dann wünscht Ihnen Gutes. Ich finde das ist ein guter Anfang.

Habt alle noch einen zauberhaften 4. Advent, Ihr Lieben und startet gut in die Weihnachts-Woche!


Kommentare:

  1. Ach meine Liebe, ich verstehe was du meinst und weisst du was? Mach dir nicht so viele Sorgen! ;) Wenn du glücklich bist, so wie es ist, wenn du den Mut hast das zu ändern, was dir so gar nicht passt, dann ist es genau richtig. Jeder Mensch ist einzigartig und nein, wir sind nicht alle gleich, aber alle gleichwertig. Du bist genau richtig so wie du bist! <3

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    1. Wie herzlich und lieb, ich danke Dir, Nicky ☆ ♡ ☆
      Frohe Weihnachten und gesegnete Rauhnächte wünsche ich Dir, bis bald!

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  2. Das sehe ich ähnlich wie Du, nicht nur die Sache mit dem Essen und dem Fleischkonsum sondern auch, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn jeder bei sich selbst anfangen würde zu kehren.

    Und ich glaube, dass man sich nie vergleichen darf, wenn ich auch selbst in diese Falle immer mal wieder tappe. Jede(r) hat einen eigenen Weg zu gehen, ein eigenes Schicksal, ein eigenes Leben. Das ist richtig und gut so. Was andere tun, gehört zu deren Leben und ist für die vielleicht richtig, es muss aber nicht für jeden anderen genauso richtig sein.

    Lieben Gruss
    Clara

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    1. Ja, ich denke da hast Du wohl den Nagel genau auf den Kopf getroffen, liebe Clara.
      Ich wünsche Dir Frohe Weihnachten und noch eine gesegnete, besinnliche Zeit - bis bald!

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  3. Es fängt ja schon an mit dem Wort "sündigen"! Werfen wir doch endlich die eingebläute Religionsstunde über Bord!

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    1. Amen, Schwester! ;))
      Ich wünsche Dir ein frohes Fest und gesegnete Rauhnächte, liebe Miz Threefivesix!
      Vielen Dank für Deinen Kommentar, bis bald!

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  4. Hallo, hier schreibt eine normale Frau :) . Keine Lust auf Sport, Beauty dann wenn ich Lust drauf habe, genauso Handarbeiten, Backen , Kochen usw. Und mal ganz ehrlich, wer will schon perfekt sein . Ich nicht. Ich will lebendig sein . :)
    Liebe Grüße
    die Sammlerin

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    1. Weißt Du was, liebe Sammlerin? Das ist ein echter (Lern-)Prozess, bis man sowas (von sich) behaupten kann.
      Insofern wünsche ich Dir weiter Mut, Kraft und Stärke, aber auch Licht und Liebe und vor Allem erstmal geweihte Nächte und eine gesegnete Zeit - bis bald!

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  5. Ich stimme Dir im Großen und Ganzen zu, vor allem natürlich was das Kehren vor der eigenen Haustür betrifft. Ich unterscheide aber nochmal eine Sache: Wenn jemand joggen geht, um andere zu beeindrucken, wenn eine Kalorien eisern zählt, um immer die schlankeste in der Familie zu sein, wenn einer malt oder häkelt, um anderen unter die Nase zu reiben, wieviel toller er ist - dann kann er mich mal. ^^ Aber wenn einer joggen geht, weil sein Körper echt ein paar Mal in der Woche Energie rauslassen muß (wie mein Bruder), wenn eine vegan ißt, weil sie damit ehrlich glücklicher ist (wie ich) oder eine handarbeitet, weil sie es liebt, Dinge entstehen zu lassen, dann tun all diese Leute genau dasselbe wie Du, nämlich sie versuchen, einfach nur glücklich zu sein.

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    1. Meine liebe süße Anke, ich kann Dir nur zustimmen und hoffe genau deshalb, dass ich den Post nicht missverständlich formuliert habe, oder Du ihn "falsch" verstanden hast. Denn genau das meinte ich. Es geht hier lediglich darum, dass wir / ich, aufhören sollte/n (uns) zu vergleichen. Zuviel oder mehr oder immer Größeres zu erwarten. Sondern einfach mal damit zufrieden zu sein, wie, was oder wer wir sind. Weißt Du wie ich das meine? Eben nicht den Weg der Anderen versuchen auf sich umzuswitchen, sondern den eigenen finden und damit glücklich werden. Das wollte ich ausdrücken ;*

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  6. Hallo liebe Seelenschwester , sprichst mir mal wieder aus der Seele. All die soooo Perfekten haben wohl ein großes Problem. Bleiben wir lieber so wie wir sind, mir all unseren Ecken und Kanten und "Problemzonen" hihi. Wünsch dir ein fröhliches und magisches Julfest mit Allem was Spass macht!

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    1. Vielen Dank, liebe Naturhexe :*
      Du weißt schon wie ich das meinte, oder?
      Eben dieses "zu perfekte" oder "zuviel erwartet", vor Allem im Vergleich und von / mit sich selber. Alles ist gut, solange man nicht versucht es jedem recht zu machen und eben perfekt zu sein. Denn das sind wir nicht, wir sind Menschen. Keine Engel. Und die sind auch nichtmal perfekt :p
      Hab noch ein frohes Weihnachtsest und gesegnete Rauhnächte, bis bald, Du Liebe! ☆ ♡ ☆

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