Dienstag, 26. Mai 2015

Ausflugs-Impressionen (einer gebührlichen Abschiedsfeier)

Wie bereits erwähnt bin ich ja dies Wochenende Strohwitwe gewesen, da mein Mann mit seiner B-Jugend zu einem mehrtägigen Fußball-Turnier aufgebrochen war. Und obwohl die neue Wohnung meiner Freundin mit all ihrem Fachwerk und den tollen, alten Balken sehr viel Sehenswertes zu bieten hätte, hier dann doch mal nur einige Eindrücke vom Mädels-Samstag, wo wir unterwegs gewesen sind und auch sehr viel Schönes erlebt haben...


Als Erstes hatte die liebe Ana ein köstliches, spätes Frühstück mit allen Schikanen für uns vorbereitet, an dem wir uns auch ausgiebig labten. Von Erdbeeren, über Eier, Lachs, Tomaten, verschiedenen außergewöhnlichen Käsesorten und vegetarischem Aufschnitt gab es wirklich alles, was das Herz begehrt. Nicht zu vergessen die Apfelschnitze, krossen Bacon, süße Aufstriche und allerlei Brot- bzw. Brötchensorten und Croissants. Jedenfalls schlugen wir kräftig zu und konnten dann gut gestärkt auf die Reise gehen...


Unser Ziel war ein nicht allzu weit entfernter Wald, den wir leider bei einsetzendem Regen, Wind und bewölktem Himmel ansteuerten. Nichts desto trotz gab es viel zu sehen und da ich ja was Spezielles vor hatte an diesem Tag, war auch Umkehren wegen der Wetter-Widrigkeiten keine Option. Schließlich mußte ich meine Schädelkerze endlich bestatten. Denn nach einigem Hin- und Her-Überlegen war ich zu dem Schluß gekommen, sie mit all dem Ballast, den ich in ihr angehäuft hatte, nicht im Grab meines Vaters mit beisetzen zu wollen, was ich tatsächlich ursprünglich mal geplant hatte. Aber ich glaube der hat genug eigene Altlasten dort bei sich zu liegen und die müssen sich nicht womöglich noch gegenseitig verstärken...


Kalt und usselig war es. Ich fror, die Ohren und der Hals taten mir weh, der Weg war im wahrsten Sinne steinig und widrig. Aber wie meine Begleiterinnen nicht müde wurden mir zu bestätigen, war das ja quasi sinnhaft für einen solchen Gang. Da läßt man halt schon mal einige Federn, wenn man ein bedeutendes Ritual zuende bringen will. Es sollte ja den Abschluß von einer Phase und einigen Wesensanteilen darstellen, das geht dann auch mal an die Substanz. Und im Laufe des Tages würde ich zu diesem Zweck noch mehr Federn lassen... :o)


Wie Ihr seht haben wir viele Schnecken gesehen. Natürlich habe ich nur die wenigsten fotografiert und auch die erst auf dem Rückweg. Während des Hinmarsches stand mir nicht der Kopf danach. Erstmal ging es ja darum die richtige Stelle für mein Unterfangen zu finden, an der mein Schädel zur letzten Ruhe gebettet werden konnte. Aber die mußte sich eben auch richtig anfühlen und gleich mehrere Kriterien erfüllen. Da ich sowohl zuhause, als auch später bei Ana, eine Schüppe zum Buddeln vergaß, nahmen wir das einzig Brauchbare aus dem Auto mit: Eine Zange :D Was irgendwie schon seltsam war, doch als wir dann einem Typen begegneten, der eine Axt auf dem Gepäckträger spazieren fuhr, kamen wir uns nicht mehr ganz so abgeschmackt vor xD Was einem alles so im Wald begegnet, ja meine Herren... Jedenfalls half die Rohrzange tatsächlich dabei einen weißen Stein aus dem Waldboden zu befreien, der mir ins Auge fiel und unbedingt mit mußte. Damit hatte sie dann allerdings auch schon ihren Zweck erfüllt...


Wir ließen uns nicht lumpen und liefen wirklich eine geraume Zeit durch den Wald... Folgten Impulsen und wollten dem Moor näher kommen. Wobei wir schon wußten daß wir bis dahin nicht kommen würden. Aber es fühlte sich so an als müßte ich eben noch weiter gehen. Der Weg, den wir dann einschlugen, lief geradewegs auf eine Lichtung zu, wo sogar Kühe grasten. Ich wußte genau, bis dahin muß ich gehen, da muß ich hin. Auch wenn ich mir nicht vorstellen konnte wo ich mich dort niederlassen und anfangen zu buddeln sollte. Selbstverständlich kam es dann auch ganz anders als ursprünglich gedacht...


Letzten Endes bogen wir genau vor der Lichtung links ab über ein kleines Bächlein. Diese letzten Meter des Weges ging dann nur noch Ana mit mir. Er war einfach zu beschwerlich für die beiden anderen und ich selbst hatte echt so meine Bedenken, ob wir da überall heil rüber kommen würden. Immer noch nicht waren wir am Ziel... Da war noch ein Hügel und wie es schien... noch ein Bächlein. Perfekt - zwei Bachläufe vereinten sich zu einem und ergaben eine richtige Dreiwegskreuzung. Da mußte ich rein! In weiser Voraussicht hatte ich morgens bereits meine alten und schon leicht ramponierten pinken Chucks angezogen, denn die würden jetzt matschig werden - naß... Ana hielt meine linke Hand, als ich mich zum Abstieg bereit machte in die Mitte des Tümpels, des morastigen Bächleins. Voll von verwelkten Blättern, Würmern, Kellerasseln und eben Patschelacke. Als ich vor mir eine Spinne da durch watscheln sah wollte ich grad noch zurück schrecken, doch da war es zu spät: Der matschige Boden am Ufer gab nach und ich fiel geradewegs mit einem fetten Platscher in den Tümpel >.< Muuuaaaahhhh! Hölle! Alles naß. Der Oarsch, die Schuhe unter Wasser - oder besser gesagt unter Matsch - und ich fand keinen Halt, wieder hoch zu kommen. Mit der Rechten hatte ich mich im Matsch fest gekrallt und an der Linken hing immer noch Ana. Die mich beschwor ihr meine rechte Hand zu geben, damit sie mich wieder raus ziehen könne... Mensch, was hab ich ein Theater gemacht! So ein Schreck aber auch! Hol mich hier raus, wimmerte ich die ganze Zeit. Weil es unter mir immer mehr nachgab und ich die Schnauze auf gut Deutsch gesagt, gestrichen voll hatte...


Schluß endlich brachte sie mich dazu, mit einem tiefen Blick in die Augen und ganz viel Ruhe, das Vertrauen aufzubringen, an dem es mir sonst so oft im Leben mangelt... Ich ließ los und nahm ihre ausgestreckte Hand - sie zog mich hoch zu sich... Ich schnaubte und konnte es kaum fassen, echt jetzt. Mit dem weißen Schutzengel-Handtüchlein, das ich mal von > meiner Hummel < geschenkt bekommen und in das ich den Schädel eingewickelt hatte, wischte sie mir den Hosenboden trocken - relativ - zumindest den dicken Schlamm ab. Ich konnte zumindest den gröbsten Dreck unter meinen Nägeln, an meinen Händen und den Schuhen entfernen. Was aber nichts daran änderte, daß ich mit nassen Füßen und nassem Hintern den Rückweg bestritt :-p Jedenfalls meinte Ana dann ich müsse das Ding jetzt eigentlich mit Schmackes genau in die Mitte der Dreiwegskreuzung pfeffern - und genau das tat ich - Arschlecken (pardon)! Die Energie hatte sich mit einem lauten Knall entladen und genau das tat ich dann auch: Ich schrie einige sehr unfeine Dinge und der Schädel flog im hohen Boden. Zwar lugten die Augen noch raus und schienen mich zu verhöhnen, aber ich hatte das letzte Wort und all den Mist, der gestorben war, ein für alle Male dahin gebracht, wo er niemandem mehr unter die Augen kommen sollte: Mitten in den Morast, tief im Wald, über Brücken und Hügel und Bäche hinweg! Immernoch tobte und fluchte ich, aber umso mehr ich mich aufregte, desto fester schien ich mich in Gestrüpp und Dornen von Brombersträuchern zu verheddern - autsch! Das spiekste am Po und an den Schenkeln - Gnarrrg! Muttern duldet eben keine Wiederrede... ;o) Ich schätze auf diesen Moment hatte sie regelrecht gewartet ^^ 


Ende gut, alles gut - könnte man meinen. Aber die Geschichte von den vier Mädels im Wald endet hier noch nicht. Wie man sieht konnte ich sehr bald wieder lachen. Ich fühlte mich befreit und erleichtert, für die Geschehnisse hatte ich nach all dem Adrenalinausstoß inzwischen nur noch prustendes Lachen übrig.  So soll es auch sein! Ruhe in Frieden, Du rudimentärer Teil von mir, der mich als spukender Geist noch heimsuchte, bis ich Dich für die Ewigkeit Deiner letzten Ruhestätte übergab... Von diesem speziellen Ort übrigens gibt es kein Foto. Die Erinnerung ist stark genug und irgendwann wird sie verblassen. Es soll  niemanden geben, der sich aufmacht und versucht dieses Gerümpel wieder an die Oberfläche zu holen. Der Zahn der Zeit wird sich darum kümmern. Solange ist all das bei den Würmern am Moor gut aufgehoben...


Und so wie von mir die ganze Anspannung abgefallen war, sich mit einem großen Knall entladen hatte, waren auch mein Halsweh und das missliche Befinden verschwunden. Die Sonne kam raus, es regnete den gesamten Rückweg nicht mehr und wir waren bester Stimmung. Dafür machte sich meine Blase bemerkbar und auch mein Körper mußte noch dringend noch einige Schlacken ausspülen, hehe :D


Das Ewiglicht, das ich mitgebracht hatte und welches ich zum Abschied geben wollte, wie es sich so gehört, stellte ich in die Obhut des Heiligen Nepomuk. Über seine Brücke hinweg,die Hügel und die fließenden Bächlein, werden die Kräfte, die ich in den ausgehöhlten Schädel gesperrt habe, nie den Weg aus dem Wald, den er bewacht, zurück finden, da bin ich ganz sicher...


Diese Worte fand ich einfach nur passend irgendwie... Meine Mädels erzählten mir noch ein wenig vom Leben, Sterben und Wirken des Nepomuk, dann zogen wir weiter. Auf zu Spargel, Kaffee und Kuchen. So matschig wie ich war, durfte ich dann auch noch in ein Restaurant einkehren. Aber es hat dem Vergnügen natürlich keinen Abbruch getan und wir hatten Spaß, wie immer :-)


Mit viel zu voll geschlagenen Bäuchen besuchten wir dann dort noch eine wunderschöne Barock-Kirche. Mann könnte ja vermuten daß ich für diese Gebäude rein gar nichts übrig habe, aber das stimmt nicht. Ich mag insbesondere schöne, alte Kirchen und zünde dort auch gerne ein Lichtlein an. Diesmal sind es drei Opferkerzen geworden und ich fand im Vorraum noch eine Postkarte, die für mich sehr zu den Ereignissen des Tages gepaßt hatten. Gegen eine kleine Spende gehörte sie mir, steht nun auf meinem eigenen Altar und wartet darauf daß ich mir selbst ein paar Worte hinein schreibe. Neben denen, die natürlich schon drauf gedruckt sind...

Zurück daheim bei Ana ließ ich mich vorsichtshalber noch auf Zecken untersuchen und dann ging es für uns alle nach hause. Wir hatten mal wieder einen wunderschönen Tag, kann ich nur sagen - den wir definitiv öfter wiederholen sollten - mit einer Menge magischer Momente... Danke, Mädels! <3

Kommentare:

  1. Gerne :)

    Beschwerlich war es zwar nicht für mich über den Graben zu hopsen - aber ich wollte Ash nicht alleine mit dem Hundi da stehe lassen ^^ ;)

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    1. Ja genau, für sie wäre es mit dem Bein und dem Rücken sicher nicht so einfach gewesen... Und ich persönlich fand es übrigens schon eine kleine Herausforderung :D

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