Donnerstag, 27. Februar 2014

Gelassenheit und was so dazu gehört

Auch wenn ich mit dieser Aussage nicht gerade das Rad neu erfinde: Aber wir können wirklich viel von unseren Katzen lernen. Denkt mal darüber nach. Katzen machen eigentlich immer nur was sie gerade möchten. Ruhen viel, essen wenn sie Hunger haben, pflegen sich und  genießen den lieben langen Tag, was das Zeug hält. Ab und zu knallen sie mal durch, dann haben sie ihre dollen 5 Minuten und gehen über Tisch und Bänke. Danach ist erstmal wieder schlafen angesagt. Oder schmusen. Aber nur wenn sie Lust dazu haben. Jedenfalls machen sie mir nicht den Eindruck als ob sie sich Gedanken machen würden, was als nächstes kommt. Was der Tag noch bringt oder ob alles in ordnung ist. Wenn akute Bedrohung besteht, dann kriegen sie Angst und reagieren. Vorher plagen sie sich gar nicht mit sowas ab und relaxen, relaxen, relaxen.

Eigentlich sollten wir es genauso halten, dann würden wir uns sehr viel Kummer ersparen. Grade ich bin schon immer eher so der panische Typ. Ich werde leicht unruhig, bin besorgt, stressig, hektisch und irgendwie ständig unter Strom. Bloß nichts vergessen, alles erledigen (schön der Reihe nach, das hab ich wenigstens schon gelernt), sollte, wollte, hätte, könnte, müßte... erledigen, klären. So ein Mist! Gut, mit dem Alter wird man ruhiger, das stimmt schon. Gott Göttin sei Dank!

Natürlich konfrontiert uns das Leben immer wieder gerne - und öfter auch mal die geballte Ladung - mit unschönen Erlebnissen. Eigentlich ist es ja dann auch immer noch früh genug sich zu sorgen und das Hirn zu zermatern, aber nicht schon vorher. Das ist doch ungesund. Vor einigen Jahren habe ich mal ein ganz tolles Buch zu dem Thema gelesen. Das hatte meine Friseurin mir empfohlen, nachdem ich die Diagnose der Herz-Rhythmus-Störungen bekommen hatte, und es tat mir damals wirklich sehr gut.

Diese Rezension habe ich am 01. März 2010 geschrieben.

Vielleicht hilft das Buch der ein oder anderen, die selbst auch so ihre liebe Müh mit Alltagskümmernissen jeder Art hat.

Seit dem habe ich wirklich viel dazu gelernt. Natürlich lernt man nie aus und entwickelt sich weiter. Andererseits bin ich manchmal sehr erstaunt darüber, wenn ich plötzlich bemerke dass ich ja jetzt schon 34 bin.
Früher dachte ich glaube ich manchmal dass es irgendwann einen Knall geben würde und ich bin erwachsen. Als wenn man dann nicht mehr derselbe Mensch wäre, sondern eben schlau, abgeklärt, berufstätig, auf alles die richtige Antwort wissend. Mit über 30 hat man dann  erkannt dass dies absolut nicht der Fall ist. Ganz im Gegenteil. Der Weg ist das Ziel. Gerade beim Erwachsenwerden. Das ist ein wirklich intensiver Reifungsprozess.
Natürlich denke ich heute über viele Dinge anders. Sehe die Sachen in einem anderen Licht, bin ruhiger und durch viele Erfahrungen geprägt. Es fällt womöglich leichter bestimmte Entscheidungen zu treffen, abzuwägen und im besten Fall weiß man inzwischen genau was man will.
Aber das macht nicht schicht weg alles einfacher. Ich bin immer noch derselbe Mensch. Nur mit mehr Erfahrungen auf dem Buckel und daher quasi das eigene Update.

Und aus all den Jahren mit vielen Höhen und Tiefen hätte ich eigentlich eines lernen sollen: Vieles schaut im Nachhinein weniger schlimm aus, als noch vorher. Die schlimmsten Sorgen sind die, die wir uns machen, noch bevor etwas eingetreten ist. Ähnlich wie mit der Vorfreude von Kindern an Weihnachten: Am Schönsten war meist die Spannung vor dem Auspacken.

Das kennen wir doch alle: Man macht sich verrückt, grübelt, heult, der Magen flau, weil wir etwas ahnen, eine scheinbare Katastrophe näher und näher heran rückt: Wenn wir diese dann allerdings überstanden haben können wir erstmal durchatmen. Es ist ja vorbei. Auf geht´s zu neuen Ufern. Von manchem erholt man sich schneller, andere Wunden brauchen länger zum Heilen. Aber fest steht: Das Leben geht immer weiter, der Kreis dreht sich unaufhaltsam. Und an jedem neuen Morgen geht die Sonne wieder auf.

Aber machen wir uns nichts vor. Auch mit dieser hilfreichen Erkenntnis in petto wird so einiges dennoch nicht einfacher, wenn wir es vor der Brust haben.
Und da kommt die Gelassenheit ins Spiel: Ich versuche jetzt immer den unruhigen Geist, der kreist und sich windet, irgendwie zu beschäftigen, mich abzulenken. Da kommt ein spannendes Buch wie gerufen, ein langer Spaziergang durch die klare Luft des frisch erwachten Frühlings, ein heißes Bad, eine kleine Belohnung. Eine schöne Kleinigkeit kaufen vielleicht. Sei es nun ein neues Buch, eine duftende Creme, ein hübsches Deko-Teilchen. Hauptsache es stimmt erstmal fröhlich und bringt neue Impulse in den überanstrengten Gehirnskasten. Wo mit wir wieder beim Thema nachsichtig sein mit sich selbst, wären. So kann aus Grau vorübergehend zumindest mal rosa werden oder babyblau. Es ist ja nicht durchweg alles schlecht.

Abschalten ist überlebensnotwendig, wenn wir nicht an Burn-Out, Depressionen oder Überfoderung, angesichts der akuten Belastung, erkranken wollen. Und genau das wird auf Dauer passieren, wenn die Sorgen einfach überhand nehmen. Seien sie gesundheitlicher Natur, zwischenmenschliche Probleme, finanzielle Belange, Zukunftsängste... Häufig kommt dann passender Weise auch noch alles zusammen.

Im Nachhinein stellen wir dann aber fest dass wir doch irgendwie alles gewuppt haben. So ist das Leben nunmal. Und wenn es einmal anders sein sollte, die Katze in den Brunnen gefallen ist, dann ist es in dem Augenblick immer noch früh genug zum Verzweifeln ;-) Vorher bringt das GAR NICHTS, ganz im Gegenteil. Man wird dadurch nur nervös und macht Fehler. Ich weiß das sehr gut. Und es wird mir dennoch auch weiterhin passieren. Der erste Schritt in die richtige Richtung ist aber schon mal gemacht, weil ich weiß wie ich mich verhalten sollte. Oder sagen wir mal, was mir gut tut. Das werde ich im Hinterkopf halten und mich vortan daran erinnern, wenn mal wieder alles duster und aussichtslos wirkt. Natürlich darf man auch mal hemmungslos schluchzen, weil alles zu viel erscheint. Gefühle runter schlucken ist nämlich auch nicht gut. Gar nicht. Aber dann - alles Notwendige tun und zurück kehren zur Tagesordnung - Ablenkungsstrategie.

Kommentare:

  1. Jederzeit mitten in der Nacht oder in perversfrühen Morgenstunden Freundinnen anrufen zu dürfen ist ein Punkt auf Deiner "Dinge die mich entspannen lassen können" Liste, nicht vergessen. :-*
    Ich frag mich manchmal, was das eigentlich heißt: Erwachsen.

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    1. Da hast Du Recht, das ist schon ein gutes Gefühl... <3
      Danke *drück*
      Gute Frage irgendwie... Ich denke das ist die Summe Deiner Erfahrungen, sowie die Bereitschaft und Fähigkeit für Dich selbst die Verantwortung zu tragen und Dein Leben so zu organisieren, dass Du es selbständig mehr oder weniger sorgenfrei führen kannst.
      Irgendwas in der Richtung...

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  2. In der heutigen Gesellschaft wird's schwierig sich wie eine Katze zu benehmen....zu relaxen......Da dreht immer einer am Rad......und oft ist Frau es selber, weil ja noch dies und das....ja.....kenn ich doch zu gut. Wir packen uns den Tag voll mit all dem, was wir glauben erledigen zu müssen.

    Ich hab' auch immer gedacht, dass Frau mit dem Alter ruhiger wird......aber es ändern sich eigentlich nur die Prioritäten,...was wichtig ist, aber nicht bedeutet, dass Frau weniger zu tun hätte....und mit der Abgeklärtheit,....hab' ich auch noch so manchmal meine Schwierigkeiten......

    Ja,...das ewige sorgen kann schon eine Ursache der Herz-Rhythmus-Störungen sein.

    In meiner Kindheit wurden die "Erwachsenen" immer idealisiert. Sie "schienen" alles zu wissen und zu können. Aber heute wissen wir, dass das nicht so ist. Gerade die sogenannten Erwachsenen sind oft am unsichersten. Haben aber gelernt das zu verbergen....und sich "gut darzustellen".

    Der Gang in andere Welten hält mich und meine Stimmung meist oben. Sei denn, es kommt "in dieser Realität" wirklich ganz dick.
    Und Ablenkung ist immer ein probates Mittel, wenn der Geist gar keine Ruhe geben will.
    Aber lass nur,....wenn wir eine Hürde überwunden haben,...ist meist die nächste schon in Sicht.......:)
    Sei lieb gegrüßt und hab' ein schönes Wochenende.
    Rosi

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    1. Ja, da spricht die Erahrung vieler Jahre und die Weisheit einer Frau, die Höhen und Tiefen erlebt hat... oder es immer noch tut.
      Alles Liebe und eine gute Woche wünsche ich Dir! :-)

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