Dienstag, 16. April 2013

Weiblichkeit und / oder vs. Feminismus

Man stolpert ja immer wieder allen Ortes über beide Begriffe. Irgendwie kommt frau mit der Zeit nicht umhin sich über die Bedeutung beider Worte für sich selbst Gedanken zu machen. Wie alles im Leben handelt es sich meiner Meinung nach bei beiden Bezeichnungen um sehr subjektiv empfindbare, die eben dehnbar sind und jede Frau ganz eigen definieren kann / muß.
Natürlich wird es hierzu bei Wiki ect. feste Erklärungen geben, keine Frage.
Aber was denke ich selber? Wozu stehe ich? Was ist mein persönlicher Standpunkt?

Ist es denn wider die feministische Bewegung, wenn ich als Frau heut zu Tage gerne selber in der Küche hinter dem Herd stehe? Meinen Haushalt mit manikürten Nägeln eigenhändig schmeiße und meinen Mann da nur selten einbeziehe? Ich finde darauf kommt es gar nicht an, sondern nur auf die Möglichkeit frei zu entscheiden. Ich will mich in kein Rollenbild pressen lassen. Jedenfalls in keines, das ich nicht für mich selbst geschaffen habe.

Klischees besagen dass Frauen gerne und viel reden, sich schminken, schick anziehen, kochen, backen, organisieren, lange Haare haben, unbedingt Kinder kriegen möchten usw. usf. Vieles davon trifft auf mich zu, anderes wieder so überhaupt gar nicht. 

Ich empfinde mich als eine doch sehr weibliche und häufig dem Klischee entsprechende Frau. In vielen Dingen bin ich "altmodisch", weil es mir gefällt.

Wenn ich von Feministinnen höre oder lese, dann geht es oft um sehr grundlegende Dinge (vieles aus der Vergangenheit und zu vieles leider doch noch immer sehr aktuell). Das Wahlrecht, selbe Verdienst- & Karrieremöglichkeiten, Frauenquoten in Unternehmen usw. usf.
Eigentlich alles eher traurige Debatten, bei denen es sich eher um Frechheiten handelt, weil sie überhaupt existieren (müssen). 
Für mich sind das Menschenrechte. Aber gut, unsere Welt funktioniert eben nicht immer ganz so einfach. Von daher gut dass es die Aktivistinnen gab und gibt. Ich rede auch hier eher von alltäglicheren Dingen und dem Privatleben.

Ich habe Holz vor den Hütten, undzwar nicht zu kanpp ;-) Und nein, ich neige nicht unbedingt dazu meine anatomisch-weiblichen Offensichtlichkeiten in einem Kartoffelsack zu verstecken. 
Ich bete zu einer Göttin und wenn mir danach ist wirbele ich nackig mit einem Besen durch die Bude.
Ich kann über Frauenwitze lachen, nicht einparken (geschweige denn überhaupt Auto zu fahren), schnabble viel, bin nah am Wasser gebaut, träume was das Zeug hält, lache von Herzen, liebe aus tiefster Seele, bin aber auch durchaus in der Lage abgrundtiefen Hass zu empfinden (was mir lange Zeit gar nicht so bewußt gewesen ist). 
Das Alles bedeutet doch aber nicht etwa dass ich die Wichtigkeit und Grundsätze der Kämpfe und Frauenbewegungen nicht ernst nehmen oder gar schätzen würde. Ganz im Gegenteil. 

Ich sehe mich als eine waschechte, zutiefst emotionale und doch vernunftbegabte, inspierierte Vollblutfrau! Als solche mag ich "echte" Männer. Ich brauche (m)einen Kerl, der mir zeigen kann wo der Hammer hängt. (Nein, ich meine grad nicht Thor ;) Der größer ist als ich und stärker. Einen der laut werden kann. Mit dem ich lachen kann und weinen, Spaß haben und todernste Gespräche führen. Einen, der mich nimmt wie ich bin - aber auch mal auf den Boden der Tatsachen zurück holt. Er soll nicht genauso sein wie ich - um Himmels Willen - nur mich so akzeptieren und mir nicht die Flügel stutzen. Das geht in Richtung Macho? Wenn (m)einer auf der Couch sitzt und sich beim Fußball gucken von mir ein Bier bringen läßt? Oder zum Frühstück Kaffee und Croissants? Mag sein. Ich breche mir keinen Zacken aus der Krone dabei. Wichtig ist bei alledem jedoch dass ich ihn mir selbst ausgesucht habe. Er ist was ich liebe.
Versteht Ihr, was ich meine? Ich brauche keinen Klon von mir selbst. Bücher lesen und Rituale abhalten macht mir auch ohne männliche Beteiligung sehr viel Spaß. Aber was viel wichtiger ist: Wenn ich es brauche, dann nimmt er mich in den Arm. Weiß dass ich Ängste habe und leide. Lacht sich scheckig, wenn ich zum x-ten Mal über dieselbe Kante gestolpert bin. Und dieser waschechte Kerl kriegt ein Leuchten in den Augen, wenn er spürt wie mein Herz singt, wenn ich hier schreibe. Oder ein neues Rezept ausprobiert habe, stundenlang das Katzenbaby auf dem Arm in Schlaf schaukele....

Alles was ich für mich will ist ledglich selbst entscheiden können. Ob ich Kinder kriegen möchte oder nicht (wo ich mich schon vor langer Zeit ganz klar dagegen entschieden und es bisher nie bereut habe). Wie intensiv ich mein Berufsleben in den Vordergrund stellen möchte. Ob ich meine Haare färbe, tief ausgeschnittene Shirts trage und wann ich was auch immer unternehme.

Frauen vernetzen sich, das liegt in ihrer Natur (Achtung, alles was ich hier schreibe schildert selbstverständlich meine Sicht & Meinung). Ob sie sich dabei in einem Bücherclub wöchentlich treffen, gemeinsam backen, auf facebook chatten oder betrinken - nichts davon sollte abgestempelt oder als "unter unserer Würde" empfunden werden. Wir können alles sein und das stündlich wechselnd, wenn uns danach ist.

Denn schade ist nicht nur dass es heut zu Tage immer noch Bereiche im Leben einer Frau zu erobern gibt, die tatsächlich nicht als selbstverständlich gelten. Schade ist genauso dass umgekehrt gewisse Eigenschaften, Vorlieben, Interessen oder Verhaltensweisen zu etwas abgestuft werden, das sie nicht sind. Oder wie kann man es als frauenverachtend bezeichnen wenn eine sich aus freien Stücken dazu entscheidet nicht studiern zu gehen, sondern Hausfrau und Mutter werden möchte? Genauso wenig wie man uns dazu zwingen können sollte daheim zu bleiben, darf es auch anders herum nicht der Fall sein. 

Ich würde nirgendwo eingestellt werden wollen, nur weil die Firma von der Regierung dazu gezwungen worden ist, obwohl sie sich ansonsten womöglich viel lieber für einen anderen Mitarbeiter, mit besseren Qualifikationen beispielsweise, entschieden hätte. Und dies stellt nicht mein persönliches Statement zur Frauenquote dar, denn ich lasse mich hier eher nicht auf politische Aussagen festlegen.

Frauen sind außerdem kreativ. Es liegt in ihren Genen zu erschaffen und gestalten. Ob es dabei ums Gärtnern, malen, schreiben, basteln, kochen, töpfern, singen oder sonst was geht: Wir empfinden einen Drang dazu, der Nachwelt etwas zu hinterlassen (oder auch mal nur der Nachbarschaft ;-) Niemand sollte sich ein Urteil darüber anmaßen ob eines davon mehr Wert ist als das andere. 

Irgendwo habe ich einmal gelesen dass alles, was Du machst bzw. erledigen mußt, viel besser von der Hand geht, wenn Du es mit Liebe tust. Genauso ist es. Ein gut anerkannter Job zu dem Du jeden Morgen schon mit "mir dreht sich der Magen um" antrittst sollte irgendwie besser sein, als einer künstlerischen Begabung nachzugehen, die Dich erfüllt? Wer will das bestimmen? So lange Du damit niemandem schadest oder auf der Tasche herum liegst (Dich von einem Kerl aushalten läßt ect.)... Ich rede hier allerdings nicht von unvernünftigen Tagträumereien. Manchmal ist es Zeit das eine zu Gunsten des anderen, also eines sicheren Einkommens als Beispiel, für eine Weile etwas mehr ruhen zu lassen. Aber nur das, nicht komplett aufgeben.

Natürlich treffen die meisten dieser Themen sowohl auf den weiblichen, als auch den männlichen Teil der (bleiben wir mal hier) deutschen Bevölkerung zu. Bloß bei Männern wird es nicht so sehr thematisiert. Als Frau musst Du Dich teilweise für jeden Sch... rechtfertigen. Wenn Du Dich stark schminkst schütteln die Hardcore-Emanzen (ich drücke das jetzt mal bewußt so ketzerisch aus) empört den Kopf (wer ist dann sexistisch, hä?). Tust Du es gar nicht gucken wieder andere blöd, die Dich gern als Vorzeigepüppchen sehen würden. Natürlich steht es jedem Mädchen frei sich zu entscheiden, heut zu tage. Aber ist das wirklich so? Was ist mit gesellschaftlichem Druck?

Irgendeiner Gemeinschaft oder Berufsgruppe wirst Du Dich ja höchst wahrscheinlich zugehörig fühlen. Was setzen die Leute dort voraus? Und bist Du dann gewilt Dich anzupassen (in persönlichen Belangen)?

Ich bin dafür einfach ich selbst sein zu können - oder noch besser: Die Frau, die ich selbst am liebsten wäre!

So und bevor ich mir nun die dicke Patte abwasche, um eine Gesichtsmaske aufzulegen werd ich noch schnell den Kuchen aus dem Ofen holen, meine Nägel feilen und mir überlegen wann ich mich das nächste Mal wie ein ganz Harter besaufe! :D

Kommentare:

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    1. *macht einen Knicks und küßt die Hand* ;-)

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    2. Und den Ring bitte...und den Ring. ;) =P

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    3. Selbstverständlich, verzeiht mir Sire ^^

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  2. ......du must Dich doch vor niemanden rechtfertigen......

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    1. Genau, darum geht´s mir hier ja.
      Es ist nichts Bedauernswertes, worüber ich hier schreibe. Es geht um Freiheit, Stäre und den eigenen, freien Willen. :)

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  3. Ich bin ja auch Feministin - und trotzdem trage ich gern figurbetonte Kleider und schminke mich oft und gern. Interesanterweise habe ich noch so gut wie nie von "Emanzen" bzw. anderen Feministinnen dafür Kritik eingefahren, sondern vor allem von Außenstehenden, die dann sagen "Weil du Feministin bist, musst du/darfst du nicht xyz".

    Bei der Frauenquote bin ich definitiv dafür. Was die Qualifikation angeht: Es wird ja Frauen oft schon schwer gemacht, überhaupt die gleiche Qualifikation zu erreichen. Im Freundeskreis habe ich beispielse viele Frauen und Männer, die promovieren wollen. Die Frauen werden jedoch gerne von den überwiegend männlichen Doktorvätern abgelehnt oder schickaniert, während die Männer keine Schwierigkeiten haben, was passendes zu finden. So machen die Männer oft ihren Doktor und die Frauen geben irgendwann verzweifelt auf und so ist es in vielen Bereichen - leider.

    Was mich immer stört ist dieses "eine echte Frau ist"/"ein echter Kerl ist", weil die Klischees damit richtig schön zementiert werden. Du bist eine selbstbewusste Frau, die entscheidet. Andere sind nicht so selbstbewusst und denken daher bei solchen Statements, sie hätten keine Wahl. Ein echter Kerl muss mE nicht groß und stark sein und jemandem zeigen, wo der Hammer hängt. Mein Partner beispielsweise hat eine sehr schlanke Figur, lange Haare, ist künstlerisch sehr begabt, ein toller Koch und Hausmann und sehr einfühlsam. Und trotzdem für mich kein Stück unmännlich, weil ich diese Klischees einfach überholt finde. Er selbst allerdings kämpft immer wieder mit solchen Aussagen über "echte Kerle" und hadert deshalb mit sich selbst, was mich traurig macht. Wir sollten der Mensch sein können, der wir sein wollen.

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    1. Genau das meinte ich ja Liath und aus diesem Grund hab ich es hier auch so geschrieben. Weil ICH es so sehe (verzeih, die Mimik über PC funktioniert halt nicht anders) :-*
      ICH wünsche mir (m)einen Mann so, ich habe diese Einstellung und ich will mich für meine Art nicht rechtfertigen müssen. Deshalb soll dies eine Hommage an das Leben sein, an die Liebe, an Weiblichkeit - und auch an den Feminismus. Weil wir alle zu jeder Zeit das Recht haben (sollten) für uns zu wählen und uns dabei von niemandem reinreden lassen müssen.
      Ich hab ja auch dazu gesagt dass ich es bewußt an einigen Stellen provokativ geschrieben habe. Beide Extreme sind für mich - was sie eben sind, zu extrem. Und ich weiß selbst sehr gut wie das ist, wenn Du als Frau in einer männer-dominierten Branche tätig bist, als Beispiel. Wie sehr man unter jemandem leiden kann, der einen auf "Frau" reduziert.
      Genau deshalb schreibe ich hier so. Weil wir uns dessen bewußt werden müssen, dass nur wir selbst für uns bestimmen können. Keine Stempel, keine Schubladen, nur eigene Meinung und Wille....

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  4. Wunderbar geschrieben, liebe Athena. Mehr brauche ich gar nicht zu schreiben, ich lasse den Text lieber noch ein wenig auf mich wirken.

    Liebe Grüsse
    Nicky

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  5. !!
    Ich glaube zu dem Thema mag ich auch mal bloggen... darf ich diesen tollen Post dabei verlinken?

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    1. Huuuch, aber 100%ig - liebend gerne doch! ♥

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  6. Ich wollte grad schreiben "genau dasselbe gilt ja auch für Männer, nur daß da niemand drüber spricht" - da hast Du es am Ende des Posts selbst geschrieben. ;-)

    Ja, wäre das nicht toll, wenn wir uns alle als MENSCHEN sein ließen, wie jeder sein möchte?

    ♥ ♥ ♥

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    1. Ja, wem sagst Du das... Aber ich glaube das ist im Großen betrachtet doch eher utopisch...

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  7. Hallo Athena,
    ich hätte es wirklich nicht besser ausdrücken können (und eigentlich war es mir auch vorher noch gar nicht so richtig klar), du hast genau ins Schwarze getroffen - Feminismus sollte nicht bedeuten, dass wir uns wie Männer benehmen, sondern dass wir genau wie sie frei entscheiden dürfen. Das war's schon. Ja.
    Danke für diesen tollen Artikel - erst gestern hatten wir Mädels die Diskussion auf der Terrasse - das Gesetz der Resonanz ;-)

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    1. Genau, so ist das! ;-)
      Aber ernsthaft - jetzt hast Du exakt die zentralen Worte gefunden, um die ich nur herum schwafeln konnte:
      "Feminismus sollte nicht bedeuten dass eine Frau sich wie ein Mann benimmt, sondern dass sie frei entscheiden kann, wie auch immer sie sich benehmen möchte"!
      PERFEKT, merci ♥

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