Sonntag, 19. August 2012

Reinkarnation

Ich hatte vor und beabsichtige immer noch einen Beitrag darüber zu schreiben wie vielfältig die „Glaubensrichtungen“, Meinungen, Vorstellungen und Arten der Spiritualität /Religion um mich herum sind und ich sie dennoch irgendwie alle akzeptieren kann. Doch bevor ich das machen werde und überall ein Häufchen von meinem Senf dazu gebe, hier zunächst mal was aus meiner Sicht...
(Überdies hat es den Vorteil dass mein höchst überhitztes Hirn sich bei diesen Temperaturen nicht zu sehr anzustrengen braucht, denn der Text steht in seiner Ursprungsversion auch schon auf meiner Homepage).


Halten wir fest: Ich gehe davon aus – oder besser, ich bin davon überzeugt dass wir alle hier auf dieser Erde nicht nur einmal leben (müssen), sondern in der Regel viele, sehr viele Male wieder kommen, um verschiedene Erfahrungen zu sammeln. Warum man so was machen sollte? Gute Frage! Um eben zu lernen, zu fühlen, zu leiden, zu schmecken, zu heilen, zu helfen, zu geben, zu nehmen und zu sterben und noch vieles andere mehr. In der Materie, im Fleisch – das ist für mich der Punkt. Wenn man schnell fahren will, nimmt man ein Auto und wenn die Seele hier „reisen“ will, dann nimmt sie sich einen Körper. Dass unsere Seele, das eigentliche Ich – die Substanz unseres tatsächlichen Seins, in Wirklichkeit unsterblich, ewig und unvergänglich ist, da bin ich mir vollkommen sicher. Diese innere Gewissheit begleitet mich im Übrigen schon so lange ich denken kann und ist somit kein Produkt meiner Umwelt, wenn das sicher auch auf vieles andere meiner (über eine Anzahl von Jahren) gebildeten Meinung zutreffen mag.

Es gibt einen riesigen Haufen von Fragen, auf die ich keine Antwort habe und ich vermute mal fast das wird auch so bleiben, so lange ich diesen meinen, irdischen Körper bewohne.
Wir sind eben (jetzt) nicht dafür gemacht all-wissend zu sein, sondern dazu zu lernen und uns zu entwickeln. Vermutlich macht das auch schon einen Großteil unserer Mission hier aus.

Aber wie stelle ich mir das überhaupt vor? Ansatzweise und mal ganz vorsichtig (sicherlich in Zukunft noch viele Male erweiterbar und zu verfeinern):
Ich glaube dass wir uns bereits vor unserer Geburt bestimmte Eckpunkte unserer nächsten Existenz „aussuchen“ oder selber festlegen. Beispielsweise die eigene Familie, den Zeitpunkt, wann wir in unser Leben eintreten und bestimmte, schicksalhafte Begegnungen, die wir machen werden (ich habe außerdem die Vermutungen dass auch Planänderungen möglich sind, wenn sie erforderlich oder unbedingt gewünscht werden).
Das erkläre ich mir folgendermaßen: Ich gehe davon aus dass wir die meisten unserer Leben aus bestimmten Gründen führen. Wenn ich also beabsichtige kennen zu lernen wie es sich anfühlt arm zu sein und in meinem Leben hart um jedes Brot kämpfen zu müssen (mal ganz simpel als grobes Beispiel), werde ich dazu mit höchster Wahrscheinlichkeit ja nicht in eine Multi-Millionärs-Familie inkarnieren, sondern in die entsprechenden Gegebenheiten geboren werden. Allerdings meine ich dass die „Lebensaufgaben“ oder „Lektionen“ schon etwas verzwickter sein werden, als einfach nur arm, reich, krank, gesund, glücklich, verliebt, Mönch ect. zu sein.

Ich denke es ist verständlich worauf ich hinaus will. Eher verhält es wohl so dass wir uns teilweise mit anderen Seelen „verabreden“ (oder auch eine Art Pakt / Vertrag mit ihnen schließen), um dann bestimmte Erfahrungen für uns selber oder die Beteiligten einleiten zu können und quasi abzuarbeiten.
Meine Vorstellung ist nicht etwa die einer Strafe, die uns auferlegt wurde und dass wir hier unseren Dienst abzuleisten haben, bis wir endlich „erlöst“ werden. (Karma kommt zwar in meinem Wortschatz sehr wohl vor, aber nicht so wie bei vielen anderen). Wobei ich schon denke dass irgendwann der Zeitpunkt gekommen ist wo man meint genügend Situationen gemeistert und einen gewissen Grad an Reife erlangt zu haben, so dass es nicht notwendig oder erstrebenswert sein wird, ein weiteres Erdenleben zu führen. In Hinblick auf andere Formen des Seins oder meinetwegen Existenzebenen mag das durchaus anders aussehen. Aber ich vermute das ist schon wieder ein neues Thema, auf das wir zu gegebener Zeit erneut eingehen können.

Wie läuft das also ab? Keine Ahnung ;-)
Abgesehen davon dass ich eine ungefähre Vorstellung davon habe, wie es „zuhause“ vielleicht aussieht (was aber schon wieder ein Thema für einen gesonderten Artikel ist), versuche ich jetzt einfach die Worte zu verwenden, die mir zur Verfügung stehen und die mit Sicherheit teilweise sehr simpel gewählt scheinen, um solch hoch tragende Thematik zu umschreiben.

Nehmen wir mal an XYZ hat spezielle seelische „Defizite“, die es für ihn notwendig oder erstrebenswert machen zu erleben, wie es ist mit Verlusten umzugehen. Das ist meiner Meinung nach eine Erfahrung, die man „da oben“ nicht so ohne weiteres macht, oder zumindest vielleicht nicht unbedingt in dem Sinne, den wir hier kennen. (Warum jemand überhaupt negative Dinge erleben sollen / wollen würde oder ob die reine „Seele“ eigentlich auch Probleme haben kann, besprechen wir ebenfalls ein andermal).

Es wird sich also so einrichten lassen dass jemand sich bereit erklärt evtl. nur aus diesem Grunde ein Erdendasein zu beginnen, das dann unter den verschiedensten Umständen beendet werden kann oder wird. Der Sinn wird somit vermutlich sein dass XYZ lernt über diesen Schmerz hinweg zu kommen und womöglich sogar noch andere Menschen zu ermutigen. Im übertragenen Sinne dienen solche Absprachen also generell dem persönlichen oder gemeinschaftlichen Wachstum, was die unterschiedlichsten Formen annehmen und Situationen hervorbringen kann.
Und da es ja im Leben nicht nur eine einzige Herausforderung zu meistern gibt oder auch unzählige, wunderschöne körperliche Erfahrungen gemacht werden können, liegt es auf der Hand dass man nicht nur einmal wiederkommt. Wobei ich nicht ausschließen will dass es auch solche Persönlichkeiten geben mag, die auf ein Leben in dieser Welt getrost verzichten wollen und es folglich einfach lassen (da wir nicht gezwungen sind / werden).

Für mich ist das auch die einzig logische Folgerung, um im Leben, wie wir es kennen, von Gerechtigkeit sprechen zu können.
Was könnte fair daran sein, dass manche Menschen ein erfülltes Dasein in Saus und Braus verbringen, während hingegen andere verhungern, an furchtbaren Krankheiten im Kindesalter sterben, unzählige Schicksalsschläge erleiden müssen usw. usf.?
Hier ist die Lösung: Es gibt nicht nur diese eine Chance! Jeder von uns hat unendlich viele Möglichkeiten und Gelegenheiten sich selbst zu „meistern“, zu „läutern“ und kennen zu lernen – sich und die Welt und all die  Seelen darin. Unter diesem Gesichtspunkt wirken all die täglichen Geschehnisse, die uns in den Nachrichten aufwühlen oder tränenreiche Stunden überschatten, schon nicht mehr ganz so leer, sinnlos und grausam.

Wohlbemerkt: Ich sage nicht dieses Wissen oder der Gedanke würde es leichter machen – nur eben nicht mehr ohne Sinn.
Wenn wir wirklich davon ausgehen, dass diese Existenz nur eine von vielen, auf unserem langen und selbst gewählten langen Weg sein kann, dann ist dies eine Möglichkeit Trost zu finden und Halt, fern von jeder noch so erschütternden Alltagserfahrung.

Das heißt wie gesagt nicht dass es etwas einfacher machen würde, nein oder vielleicht sogar – im Gegenteil. Aber es beruhigt ein klein wenig und hilft zu verstehen, zu überstehen.
Der Mensch an sich hat einen freien Willen und diesen dazu eingesetzt, in der Materie zu (er)leben.

Eine typische Aussage von Menschen die weder an Reinkarnation, noch an Gott (wie auch immer man „das“ für sich definieren möchte) oder sonstige höhere Mächte glauben, ist folgende:
Wieso sollte Gott (also er / sie / es - nehmen wir jetzt mal dieses Beispiel) zulassen dass Menschen leiden, Kriege geführt werden und so viel Elend herrscht? Wenn es ihn gäbe und er wirklich so allmächtig wäre, dann könnte er das doch verhindern. Wozu also beten oder Magie betreiben? Es hat keinen Sinn, es passiert ja sowieso nichts!“
Meine Antwort darauf lautet schlicht und einfach: (An dieser Stelle folgt jetzt nicht meine Definition von Gott und den Göttern, oder Wirkungsweise von magischen Handlungen, denn das sollte gesondert abgehandelt werden)

Gott kann nichts dafür wie Menschen sich tag-täglich entscheiden. Ob sie beginnen einander zu bekämpfen, zu verletzen, die Umwelt zu zerstören und all die anderen schrecklichen Dinge zu tun.
Sicherlich gäbe es mehr als eine Möglichkeit für spezielle kleine oder auch große Belange um Hilfe zu bitten oder aktiv (z. B.) magisch daran zu arbeiten. Viele Menschen tun dies bereits und solche hat es unter uns schon immer gegeben. Der Erfolg solcher Unterfangen ist meiner Meinung nach vom reinen Willen (der wahrhaft rein und echt sein muss) und ganz echtem Glauben (der tief und tatsächlich vorhanden, nicht nur gewünscht sein muss) abhängig, weshalb diverse magische Praktiken von unterschiedlichen Leuten mal mit mehr, mal mit weniger sichtbarem Erfolg ausgeübt werden.

Fakt ist jedoch: Der Mensch trifft Entscheidungen, Tag für Tag und ständig und immer wieder. Diese Entscheidungsfreiheit ist uns (gott-) gegeben und niemand / keine Macht wird jemals von alleine darin eingreifen. Denn dies ist doch der Grund, weshalb wir mit unserem freien Willen hier sind.
Menschen neigen jedoch dazu immer irgendwo außerhalb einen „Schuldigen“ zu suchen, jemanden auf den sie ihre Verantwortung abwälzen können. Aber so funktioniert das Prinzip nicht. Unser Leben ist (zu einem großen Teil) das, was wir selber und andere, in unserem Umfeld, daraus machen. Das hat nichts mit „Gott“ zu tun.
Menschen könnten von jetzt auf gleich von selber damit aufhören grausam zu sein, sie tun es aber nicht.

Nicht (ein) Gott hat die Entscheidung für uns getroffen dass wir nun hier leben und wie, sondern wir selber. Und wie man so schön sagt muss man nun mal in dem Bett, das man sich selbst gemacht hat, auch schlafen. Niemand hat uns gezwungen, niemand wird uns von unserer eigenen Entscheidung versuchen wieder abzubringen. Die Welt, wie wir sie kennen ist ein Produkt von denen, die sie aktiv formen. Dafür kann man um Hilfe bitten und selber versuchen sie zu verändern, ganz egal wie – oder eben nicht.
Die Macht ist da, sie existiert und wir könnten sie nutzen, aber dazu müssen wir uns entscheiden.

Wieso ich das alles mit Reinkarnation in Verbindung bringe?
Nur um zu verdeutlichen was ich glaube: Dass wir unser Leben selbst bestimmen können (im Rahmen dessen, was wir vorab selber festgelegt haben) und dass wir selbst die Meister unseres Schicksals sind. Es ist eines von vielen, sofern wir dies möchten und uns eines Tages entscheiden uns erneut auf dieses Abenteuer einzulassen.
Das hier ist nicht die Endstation und wenn der Tag gekommen ist, an dem für uns dieses wunderbare, einzigartige Leben endet, dann ist nicht alles vorbei. Der, der wir wirklich sind, wird weiter existieren. Unsere Energie verändert sich lediglich und nimmt (wieder) eine andere Form an. Nur weil Eis schmilzt ist es auch nicht einfach verschwunden, es wird zu Wasser.
In unserer Schale steckt ein Kern, den wir nur (meist) nicht sehen können, wenn wir ihn auch irgendwie erahnen....
Welche Raupe weiß schon dass ein wunderschöner Schmetterling aus ihr wird...? Hm? Eben!

ABER: Da ich ja von Natur aus eine ehrliche Haut bin...
Ich habe Angst vor´m Sterben und ich habe Angst vor´m Tod. Ich habe Angst mein wunderschönes Leben, das ich so sehr liebe und all die wunderbaren Menschen & Wesen darin eines Tages zu verlieren, oder sie verlassen zu müssen. Ich glaube zwar dass ich sie wieder sehen werde, doch ich bin auch überzeugt dass das, was ich kannte und woran ich so sehr hänge, dann vorbei ist. Das möchte ich nicht.
Ich habe ein Problem mit Abschied in jeglicher Form und welcher ist schon größer als dieser eine, große, vermeintlich endgültige...?


Wo die Reise hin geht...

Kommentare:

  1. ... wenn jemand beginnt, sich mit dem Thema Reinkarnation intensiver auseinander zu setzen, kommen neue Gesichtspunkte hinzu, neue Fragen, neue Antworten. Es geht noch weiter auszumalen und zu erforschen! Nach meinem heutigen Verständnis ist die Reinkarnationskette eine (eigentlich ungewollte)Schleife, aus der mensch nur durch Bewusst-werdung herauskommen kann. Das ist vermutlich damit gemeint, wenn die Esoteriker oder NewAger davon sprechen, dass wir aus dem sog. Rad des Karma nun aussteigen (können). Sicherlich hat es aber auch etwas Gutes, darin zu stecken, denn die Schöpfung lässt bekanntlich auch vordergründig miese Situationen nicht ungenutzt, so dass alles, was uns widerfährt, letztlich zu unserer Ent-wicklung beiträgt, auch Wiederholungen in der Zeitschleife.
    Was die Entscheidungsfreiheit des Menschen angeht … die stelle ich aufgrund der alltäglichen Fremdprogrammierungen durch Schule, Kirche, Eltern, Medien, vor allem TV massivst in Frage. Ich arbeite seit Jahren an der Löschung meiner Fremdprogramme und es ist kein Spaziergang!

    Ich persönlich habe alles in allem die Erfahrung gemacht, dass die beständige Erweiterung meines Weltbildes mein Leben wesentlich leichter und unbe-schwer-ter gemacht hat und kann es daher nur jedem empfehlen, so wie die Autorin dieses Beitrages offenen Geistes an diese Welt heranzugehen (denn wir wollen es ja alle irgendwie gern leichter haben gelle).

    Danke dir für dieses sehr wichtige Thema bzw. deinen sehr klar ausgedrückten Beitrag dazu.:-)

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    1. Vielen Dank für die Mühe dieser ausführlichen Antwort erstmal :)

      Ich nehme auch immer wieder gerne neue Eindrücke und Ansichten in meine eigene Vorstellung eines Glaubens mit auf, je nachdem was ich dazu lerne. Das gehört ja auch zur Entwicklung und zum Lernen dazu, also vermutlich letztlich der Sinn der Sache.

      Nur bin ich mir vollkommen sicher dass wir zu jeder Zeit aus dieser Sache hier aussteigen können. Wer nicht mag muss auch nicht wieder kommen, fertig... ;-)

      Das mit der Fremdprogrammierung ist meiner Meinung nach so eine Sache die ja ohnehin nur "hier unten" auf uns einprasselt. Dennoch haben wir zu jeder Zeit die Wahl frei zu entscheiden und das ist der Knackpunkt...

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  2. Das glaube ich auch: Daß wir nur hierherkommen, wenn wir es wollen, und nicht, weil wir im letzten Leben einen karmischen Schuldenberg angehäuft haben. Dieses Schuld-und-Buße-Denken finde ich in jedem religiösen (oder sonstigen) Rahmen verstörend.
    Und zum Thema Abschied: Ich weiß, Deine Angst vor dem Sterben kann ich Dir wohl nicht nehmen, aber der letzte große Abschied ist der, der uns nach Hause führt. Dahin, wo wir alle wieder zusammentreffen. :) Ich finde das eigentlich schön.

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    1. Wir setzen uns dann nochmal zusammen und sprechen darüber, wie ich es finde, okay? ;-)

      Und vielen Dank für Deine lieben Worte :-*

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    2. Hehe, das machen wir auf jeden Fall. =)

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