Montag, 6. Oktober 2014

Oktober Vollmond


Mittwoch mittag ist es wieder soweit, die Mondin wird voll sein, rund und satt. Bereits seit einigen Tagen ist für mich fühlbar wie dünn der Schleier schon jetzt geworden ist. Erneut diese Träume, Gedanken und Erinnerungen an verstorbene Weggefährten. Tanten, Großmütter, Ahnen, Vertraute, die mich in jungen Jahren auf meinem Weg begleitet und mich auch angeleitet haben. Entlassen in eine Welt voller Wunder, Geister und Magie, die ich noch immer erst Stück für Stück begreife und im Laufe der Jahre zu verstehen lernte. Sie sind fort. Aber was sie mir gaben, das Erbe, das sie mir hinterließen, es wird überdauern. Ob nun mein Vater, die vierbeinigen Gefährten, die ich los lassen mußte oder große Teile meiner Familie. Jeder von ihnen hinterließ seine Spuren in meinem Leben und auch in mir. Niemand ist je wirklich ganz vergessen...

Mond des Blutes, damit ist hier nicht etwa das Phänomen einer totalen Mondfinsternis gemeint. Sondern schlicht die Zeit im Jahr, zu der die Schlachtungen des Viehs aus Stall oder Herde erfolgte, das nicht durch den Winter gebracht werden konnte und dessen Fleisch vor Allem benötigt wurde. Vielfach waren es natürlich Schweine, die einer Großzahl von Erdgöttinnen heilig sind und weshalb diesen grundsätzlich auch entsprechende Opfer dargebracht wurden. Opfermond ist daher eine weitere Bezeichnung, die zurückgeht auf die Gaben von Fleisch, Blut, Innereien und Wein an diverse Geister, Ahnen, Götter oder die Natur selbst. Diese höheren Entitäten sollten für die kalte Periode milde gestimmt werden einserseits, es wurde ihnen jedoch auch für die reichliche Ausbeute gedankt. Häufig geschah dies wohl quasi stoßweise bei entsprechenden Schlachtfesten. Was für den Menschen von heute sehr brachial klingen mag, sicherte unseren Vorfahren nicht mehr oder weniger als das pure Überleben und war somit sicherlich insofern auch ein freudiger Anlaß. In dem Zusammenhang sei allerdings auch erwähnt wie spiritualisiert und respektvoll in vergangenen Zeiten und Kulturen mit dem Leben oder Sterben dieser Tiere umgegangen wurde. Es wurde nicht wie heute sinn- und maßlos überschlachtet, da wurde nichts achtlos weggeworfen. Man war sich im Klaren darüber in welchem Abhängigkeitsverhältnis man der Natur und ihren Bewohnern gegenüber stand, so gegensätzlich das für uns vielleicht auch klingen mag.

Die Ableitung zum Begriff des Jagd- oder Jägermondes ist daher nicht fern. Denn auch Wild war ja ein erwünschtes Gut für die Vorratskammern. Nicht zuletzt bei derartigen, teilweise tagelang andauernden Jagd"ausflügen", half der helle Mondenschein, da er ja erlaubte ganze Nächte hindurch auf die Pirsch nach dem gewünschten Wildbrät zu gehen. Eine etwas andere Herleitung weist der Name Reisemond für den Oktobervollmond auf. Auch dieser stammt natürlich aus Beobachtungen und Phänomenen der Umwelt. Ist der Oktober doch die Hauptzeit des herbstlichen Zugvogelflugs, was nicht zuletzt zu seiner Aufbruchstimmung beitragen mag.

Kälte, Regen, Nebel, Stürme, abgestorbene Pflanzen und kahle Bäume, leer gefegte Äcker, Krähen und Rabenvögel prägen das Bild vom voranschreitenden Oktober, der unweigerlich in Samhain gipfeln wird. Das Fest macht uns die Gegenwart und Möglichkeit des Todes so greifbar wie kein anderes. Doch sollten wir nicht vergessen daß die scheinbare Endlichkeit des Lebendigen nicht die einzige Facette dieses vielleicht größten aller Hochfeste des paganen Jahres ist. Die Kehrseite der Medaillie ist das Leben. Die Wiedergeburt, das Fortdauern, Auferstehung in der Unterwelt, auf der anderen Seite, im Jenseits. Dann kommt der Moment wo die Schwaden sich lichten, um uns einen Blick zu erlauben. Wo wir die Stimmen derer hören können, die vor uns auf diesem Boden wandelten. Die uns ihre Hände reichen. Ob nun in Form von Ahnungen, leisem Wispern oder Schatten, die lebendig scheinen. Wir sollten zurück grüßen und unsere Anerkennung zeigen. In Form von Kerzen, Trank- und Speiseopfern, Blumengestecken auf Gräbern, Süßigkeiten für die Kinder oder Laternen, die geschnitzt sind wie Feldfrüchte. 

Hör zu, sei offen, zeige Respekt. Interessiere Dich für die Geschichten Deiner Ahnen, feiere ihre Erfolge, weine Tränen um sie, schau Dir ihre Fotos an, erzähle aus ihrem Leben. Statte Deinen lebenden Verwandten einen Besuch ab, was Du sonst womöglich nicht sehr häufig tust. Koche etwas Gutes, speise und trinke nach Herzenslust. Sei froh, daß Du nun lebst. Daß Du leben darfst! Wenn Du Fleischesser bist, dann bereite Dir einen schmackhaften Bissen zu und teile ihn mit der Geisterwelt. Lege Karten, nimm Abschied, löse Dich von Altem, gib etwas auf, das Dich nicht mehr weiter bringt. Schäle Dich aus Deiner abgestorbenen Haut und zeige Dich der Göttin bar jeglicher Maske. Lasse Trauer zu. Beschäftige Dich mit dem Gedanken an den Tod, wenn er Dir Angst macht. Bitte um Frieden für alle ruhelosen Geister und auch für Dich selbst, wenn Du mit etwas abschließen willst oder mußt. Suche eine Dreiwegskreuzung auf und lege etwas ab, als Zeichen Deiner Loyalität zu Hekate. Jetzt ist sie die weise Alte, die Große, die Eine, die ich so sehr liebe und die ich verehre. Bete zu ihr. Sie mag Fleisch, Kartoffeln, Kohl, Tabak, Lilien, Rosen, süßes Räucherwerk, Granatäpfel, Zwiebeln, Knoblauch oder auch Schnaps. Trinke roten Wein als Symbol für all das Blut, das vergessen wurde. Für Deine Blutlinie oder auch die Tiere, die ihr Leben gaben, um Dich zu nähren. Gieße davon auf die trockene Erde, denn sie lebt. Geh hinaus in die Nacht und sieh zum Himmel, fühle die Nähe zu Deiner Großmutter (im) Mond...

Kommentare:

  1. Gestern habe ich noch überlegt, wie ich eigentlich auf dein Blog gestoßen bin. Und heute, wo ich diesen wunderbaren Post lese, fällt es mir wieder ein. Es war dein Text über den September Vollmond, der mich hergeführt hat. ;))

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    1. Oh, das ist ja ein tolles Feedback und freut mich riesig zu hören, danke schön! <3 *rot werd*

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  2. Ich "muß" mich einfach anschließen! Was für ein wunderbarer Beitrag über den Oktobervollmond.
    Liebe Grüße v. Martina aus HH

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    1. Du glaubst gar nicht wie mich diese Worte freuen! Vielen herzlichen Dank dafür, liebe Martina und eine schöne Ahnenzeit für Dich! <3

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  3. Das mit dem schmackhaften Bissen mache ich schon viele Jahre, das ist ein schönes Gefühl. Gehört aber alles bei mir zu Samhain. Und ich selbst bin dort innerlich noch nicht angekommen dieses Jahr - hier ist der Herbst noch zu golden, zu lebendig, die Temperaturen zu angenehm um schon so weit zu gehen - ich genieße noch das Licht. Aber ich freue mich auch auf das Ende des Monats und diese besondere geheimnisvolle Stimmung des Spätherbstes. :)

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    1. Richtig, ich habe da das eigentliche Fest mit dem Mond vermischt, weil das einfach für mich sehr eng zusammen gehört... Ich weiß auch nicht. Mir kann ja vieles abgehen, wg. Alltagsstress usw. Aber Samhain fühle ich meist schon laaange, bevor es eigentlich da ist. Für mich ist es tatsächlich das höchste "Hexenfest" / der größte Sabbat im Jahreskreis. Ein sehr überwältigender Zeitraum.
      Bei uns wechselt das Wetter momentan zwischen Spätsommer und November ;-)) Aber Samhain ist es so oder so :D

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  4. Ein wundervoller Beitrag, danke fürs Teilen. Den Sommer, der keiner war, man möchte ihn nicht loslassen, er verschwindet immer mehr in den Herbstnebeln. Die geheimnissvolle Samhainzeit naht, wollen wir die Vorfreude genießen . Alles Liebe dir!

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    1. Ich hatte ja auch wochenlang so meine Probleme mit dem Abschied vom Sommer. Zum Glück bin ich darüber hinweg und halte es jetzt tatsächlich an der Zeit für Herbstwetter ;-)
      Ich freue mich tatsächlich auf Samhain im eigentlichen Sinne, besonders mit meinen Freundinnen. Aber wirklich auch auf Halloween mit Kitsch, bunten Verkleidungen, klingelnden Kindern und massig Süßigkeiten. Hoffentlich schellen dieses Jahr viele an unserer Türe! Genieße das Fest und die magische Zeit - bis bald )o(

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  5. Liebe Athena
    dass hast du sehr schön geschrieben.Sehr interessant auch die Sache mit der Jagd,halt nicht nur die Kartoffeln und Kürbisse.
    Den Gruselspaß für die Kinder mag auch.
    Liebe Grüße von der Weidenfrau

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    1. Vielen Dank, Du Liebe, freut mich daß es Dir gefällt.
      Und ganz besonders auch mal wieder hier von Dir zu hören <3
      Ich hoffe es geht Dir gut. Ich habe Dich nicht vergessen.
      Hoffentlich kriege ich bald ein bißchen Post für Dich auf die Reihe, habe jetzt schon fünf Päckchen für liebe Frauen in der Warteschleife ;-)
      Hab eine schöne Woche und eine gute Ahnenzeit, bis bald!

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