Montag, 18. August 2014

Da machst Du nix...

Vielleicht ist es bezeichnend... daß die Sonne jetzt so gut wie gar nicht mehr hervor kommt und der starke Wind seit Tagen pausenlos wütet. Dass es permanent duster zu sein scheint, als ob es hier schon gar nicht mehr richtig hell werden würde. Warum nur war dieser Sommer so kurz, frage ich mich. Wie unwirklich die leuchtend roten Tomaten doch erscheinen, wenn sie im trüben Licht des Tages da stehen und der Sturm an ihnen zerrt. Ständig bringt er Regenschauer mit, auch wenn es manchmal nur nieselt.

So sehr ich vor einer Woche noch rebelliert habe gegen das Ende des Sommers, so langsam füge ich mich in mein Schicksal. Zeit mich für dieses Jahr von der Sonne zu verabschieden. An die Stelle der langen, heißen Tage auf der Terrasse, treten nun Gedanken ans Kuchen backen, deftiges Essen zu kochen und bei Kerzenschein auf dem Sofa zu lesen. Letzten Endes gewinnt sie natürlich doch, die Natur.

Vielleicht ist es bezeichnend dass ich mir ein Tagebuch mit dem Thema Sehnsucht und maritimen Symbolen darauf kaufe, nur einige Wochen bevor ich das erste Mal zu den Zauberfrauen an die See fahren werde. Dass der Ruf des Meeres seit einigen Monaten sehr präsent ist, die längst vergessene Liebe zur Küste aus meiner Kindheit wieder aufgestiegen ist. Dass ich mich erneut Ängsten stelle, die seit langer Zeit wie alte Bekannte zu meinem Leben gehören, mit denen ich mich arrangiert zu haben schien. In Intervallen klopfen sie lauter an meine Tür und ich denke ich muß aufmachen, um sie anzusehen.

Das ist der Herbst, der da aus mir spricht. Der Herbst, der mich Magie nicht mehr mit kindlich staunenden Augen im Sonnenlicht betrachten läßt, sondern in langen Schatten an kurzen Tagen, zwischen Nebelschwaden hindurch und mit einem aufgeregten Frösteln. Mit dem Rad des Jahres wandeln sich auch unsere Gedanken. Die Art wie wir denken und womit wir uns befassen. Die Themen werden ernster und die Fragen gehen tiefer, so wie auch bald an der Oberfläche unserer Umgebung nicht mehr viele Früchte zu sehen sein werden, weil sämtliche Kräfte sich ins Erdinnere zurück ziehen. Warum nur so früh in diesem Jahr, ich komme nicht umhin danach zu fragen. Meine Güte, ich traue mich ja fast gar nicht es zu sagen, aber gestern habe ich tatsächlich an Samhain gedacht. Sicher ist das Wetter dafür verantwortlich. Was mir einmal mehr beweist welch wetterfühlige und sensible Wesen wir doch sind. Da soll mir nochmal einer sagen es sei nicht alles verbunden. Selbstverständlich ist das immer auch eine Sache der Einstellung und eigenen Ausrichtung, klar. Mein Blick wandert zum Fenster, wo die teilweise noch grünen Tomaten neben den knall-orangenen Lampionblumen stehen, nicht zu fassen. Und jetzt grade scheint sogar die Sonne auf sie herab - so strahlend dass man meinen könnte draußen sei es warm. Wenn ich es eben nicht besser wüßte.

Vielleicht ist es bezeichnend dass die Kerzen auf meinem Altar nun wieder sehr häufig brennen, Räucherwerk verglimmt, ich mir Gedanken mache über Rituale und Schreibarbeiten und Recherchen. Wenn alles verblüht ist, nicht mehr gegossen wird und es zum draußen sitzen zu kalt ist, dann klemme ich meine Nase zwischen alte Buchseiten. Da ist irgendetwas. Manchmal scheint es zum Greifen nah, dann wieder verblaßt es wie ein Traum oder eine Erinnerung aus längst vergangenen Tagen...

Werden denn die Schleier tatsächlich schon wieder dünner? Wie sonst könnte ich erklären dass ich eines Morgens mit dem starken Gefühl von Trauer, Verzweiflung und Panik aufwache, dessen Herkunft sich mir bereits am Abend offenbart? Ist denn bereits ein Wendepunkt erreicht oder gar überschritten?
Ein Sturm zieht auf, habe ich häufig gedacht - und während dessen Bücher gelesen oder Texte, in denen dieser Satz mehr als einmal vorkam. Ein Unwetter braut sich zusammen, etwas naht heran... Das Gefühl war so präsent und real dass ich nur noch gucken und Gänsehaut bekommen konnte, wenn es dann wirklich eintraf. Ich dachte an die Reiter, an die Ringe und an die Posaunen... an Ebola und Krieg und Verwüstung. Vielleicht ist es bezeichnend, wie sehr doch manchmal unsere Gefühlswelt der äußeren gleicht. Sind alle Ängste real? Oder sind sie kollektiv? Und wieso treffen tatsächliche Bedrohungen häufig mit solchen zusammen, von denen wir nur hören oder wissen, dass sie da sind...?

Vielleicht ist es bezeichnend dass ich meine Yemaja-Kerze runterbrennen lasse und mir erst später auffällt, dass "zufällig" ihr Festtag gewesen ist. Der Tag der Muttergöttinnen. Kein Wunder dass ich den Impuls verspürte, dem ich auch nachging, die Elemente zusammen zu bringen, zu reinigen, zu bitten, aber auch zu schenken. Jetzt weiß ich auch dass ich augenscheinlich das Erntefest der Hekate vergaß (welch ein Frevel), dennoch aber den starken Drang verspürte ihr zu opfern, ihre Kerze zu entzünden, Kräuter für sie zu verbrennen. Rein "zufällig" *ähem* wurde ich mir dieses Feiertages zu ihren Ehren am 16. (statt am 13.) bewußt, wenn wir sowieso die große Mutter verehren. Ja, in den letzten Tagen fand ein kleiner Umbruch in der Atmosphäre statt. Die äußere Welt hatte mich abgelenkt, aber dennoch war der Ruf immer präsent. Also habe ich mich hingewendet, eingelenkt und akzeptiert was nun kommt. Ob nun früher oder später, der Sommer ist verwirkt. Ich bin jetzt versöhnlicher gestimmt. Da sind Träume und Gefühle und Ereignisse, die mich in diese Richtung geschubst haben. Vielleicht ist es bezeichnend...

Kommentare:

  1. Ich finde, der Herbst macht die Welt nicht grauer… das tut nach Samhain der November, diese seltsame Zeit zwischen dem, was ich als Herbst empfinde, und dem schneeweißen Winter. Der tote Monat sozusagen (und Du weißt, daß "tot" für mich nicht negativ belastet ist).
    Aber der jetzige Herbst, oder Indianer- oder Altweibersommer, das ist etwas wunderbares. Ein tiefes, inneres Glühen. Aus Grelle wird Wärme, aus Tausend-Watt-Scheinwerfer wird Kohleglühen. Ich mag das sehr. :*

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    1. Ich würde mich ja auch auf diesen herrlichen Herbst freuen. Auf die warmen Farben, dieses Lichtspiel und Sonnenschein... Aber dieses Jahr konnte ich den Sommer eben einfach nicht gehen lassen. Er war (mir?) wirklich viel zu kurz.. :( Wie auch immer, langsam hab ich mich mit dem Gedanken angefreundet ;-)
      Übrigens war es hier in den letzten Tagen wirklich NUR GRAU. Wolken, Regen, Nebel. Punkt. :-P Und wenn weder die Sonne scheinen will, noch Schnee fälllt - dann wird es für eine ganze Weile so bleiben, bäh! Aber ich sollte nicht meckern. Jetzt grad scheint die Sonne und es ist sogar eher warm :)

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  2. Meine Stimmung ist im Moment ähnlich. Aber warte ab, wie schön der Hetbst wird :) die Magie wird dich umhauen. Wenn erstmal alles in gold und rot getaucht ist, dann klopfen nicht nur Ängste an deine Tür, sondern Zauber, von denen du jetzt noch nichts ahnst.

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    1. Hach ja, da hast Du wohl Recht. Und letzten Endes siegen sowieso Kerzenschein, Kuchenduft, Kürbisse und buntes Blattwerk über die Trübsahl. Hoffe ich zumindest ;-))

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