Dienstag, 13. November 2012

Wahrheit oder Lüge?

Was ist besser? Was möchtest Du hören?
Anders herum ausgedrückt: Magst Du mich, wie ich wirklich bin oder die Maske, die ich trage?

Ist das nicht ekelhaft: Jemand kommt auf Euch zugelaufen, grinst wie ein Honigkuchenpferd (wobei das Lächeln nie bis hin zu seinen Augen gereicht) und blökt lauthals "Ach, haaaallloooo - na, wie geht´s Dir denn?"... Auch hübsch: "Oooochhh, das ist ist ja eine schicke Tasche, die Du hast! Ist die neu? Zeeeeiiiig mal!" (Bäh) Innerlich weißt Du genau wie dieser Jemand tickt, weil Du ihn / sie einschätzen und Dir leider ziemlich bunt ausmalen kannst, was gerade hinter der Fassade vorgeht...
Schebbig, nicht wahr?!

Aber was will man machen, im Alltag kann man sich das Umfeld nicht wirklich immer aussuchen. Ist ja auch okay. Man muss nicht jeden mögen, um Himmels Willen. Everybody´s Darling? Neee danke, mit Sahne bitte. ;-)

Die Frage zu Anfang könnte auch lauten: Wahrheit oder Pflicht?
Häufig sind wir nämlich leider gezwungen uns zu verstellen. Doch wie weit geht das?
Lassen wir uns hinreißen bei der ungebliebten Kollegin ein 1A-Schauspiel abzuliefern, oder bleiben wir uns lieber selber treu und gewahren nur die Regeln des Anstandes? Ich meine das genügt doch wohl.
Es gibt da große Unterschiede; Respekt / Höflichkeit, Diplomatie und Heuchelei (pfui Teufel!).

Ein Heuchler ist für mich jemand, der das oben beschriebene Szenario abspult, sich am besten auch noch toll dabei vorkommt (weil er meint Du durchschaust ihn nicht), während er sich im Stillen über Dich ins Fäustchen lacht oder Dir gar sonst was an den Hals wünscht. Iiiii. Wieso hat man eine solche Scharade nötig? Auch hier gibt es wieder mehrere Möglichkeiten.

Entweder Du bist ein ganz armes Würstchen, hast nichts (erreicht), kannst nichts, bist vielleicht sogar zu faul und versuchst mit Schwung von Dir abzulenken, traurig. Aber gut, in diesem Fall greifst Du nochmal richtig in die Trick-Kiste und ziehst über das verhaßte Gegenüber ab, was das Zeug hält.
Oder aber Du erhoffst Dir von dem jenigen etwas, wie Anerkennung, Beteiligung an irgendeinem Erfolg, Materielles (ABARTIG) ect. (schade dass Du nicht aus eigenen Stücken in der Lage dazu bist...).
Die nächste Variante ist ganz gemein: Du bist neidisch. Hierbei unterscheide ich folgendermaßen: Positiver bzw. liebevoller Neid (Der Gedanke dahinter lautet: Ich beneide Dich wirklich darum dass Du so ein tolles Verhältnis zu Deiner Mutter hast,ich gönne es Dir von ganzem Herzen - süß ) gegen negativen bzw. missgünstigen Neid (bei dem Wort Missgunst gehen mir generell die Nackenhaare hoch). Zweiter äußert sich in schleimigen oder gar gehässigen und demütigenden Bemerkungen, gern in der Öffentlichkeit (und basieren auf Gedanken wie "Steck Dir Deinen super Job doch sonst wo hin - ich wünschte Dein Chef würd Dich noch heute abservieren"!). Einen richtigen Lucky Strike machst Du, wenn Du eine Bemerkung erwischt, die den Konkurrenten wirklich derbe trifft *aua* Feini, gibt ein Seelen-Leckerchen...!
Der Kern ist dabei dass Du Dir in Wirklichkeit grade kaum etwas sehnlicher wünscht als diese Eigenschaft oder eben jene Schuhe, am besten gleich das Leben des Getroffenen (bla bla bla, was auch immer). Natürlich würdest Du dies Dir oder Anderen keinesfalls eingestehen wollen, denn es ist ja "pfui bah". Wie schön dass Du einen Weg gefunden hast Deine Komplexe zu kompensieren. Ich drücke Dir die Daumen dass Dein Kartenhaus noch möglichst lange hält.

Okay, wie Ihr seht kann ich ziemlich zynisch sein. Ja, stimmt.
Aber mal ernsthaft: Wer braucht denn solche Leute schon?!
Ich wollt´s ja nur mal angesprochen haben.
Heucheln ist also igittigitt.
Jemanden umarmen und gleichzeitig ein Messer in den Rücken rammen, so beschrieb mein Vater das immer.
Mitspielen ist übrigens ausdrücklich erwünscht!
Wenn jemand sich schon eine derartige Mühe macht...
Und außerdem gibt´s sonst hinterher gar nichts mehr zum Maul-drüber-Zerreißen (O.o )

Aus Respekt hingegen ist man zu jemandem höflich bzw. begegnet ihm mit einem Mindestmaß an Freundlichkeit, trotz der vorhandenen  Antipathie.
Wenigstens die Ansage einer Tageszeit und Antworten auf Fragen sind hierbei Voraussetzung. Eine diplomatische Lösung also. Sie zeugt einzig von einem großen, stabilen Charakter. Andernfalls ist sie aus der Notwendigkeit heraus geboren, deshalb aber nicht weniger ehrlich.

Wieviel "Verstellen" ist also in ordnung? Ich würde sagen so viel dass Du Dir selbst noch im Spiegel in die Augen schauen kannst ohne Dich dabei hin und wieder zu fragen ob Du Dich überhaupt selbst noch kennst.
Du mußt der XYZ nicht gleich mit Verachtung gegen über treten, nur weil Dich etwas an ihr stört. Es hat nichts mit Feigheit zu tun, wenn man trotzdem den Regeln des Anstandes folgt, ganz im Gegenteil. 
Aber es macht eben einen Unterschied ob Du einfach nur "nett" bist oder gleich in den Allerwertesten kriechst... 

Aus der anderen Perspektive betrachtet können wir uns ganz einfach fragen welchen Umgang wir uns selber wünschen. Möchtest Du gesagt kriegen dass Deine Fott für die Büchs´ zu propper geworden ist? Ja, aber nur wenn Du fragst oder es ansonsten echt peinlich werden würde, oder? Ansonsten ist es Dein Bier wie Du Dich wohlfühlst, sehr richtig. 
Mal nicht ganz so handfest ausgedrückt: Weshalb willst Du gemocht werden? Weil Du immer nett lächelst, ja und amen sagst? Nein, sondern weil Du lieber schweigst, als etwas Verletzendes zu sagen...? Aaah, schöne Eigenschaft.
Lügen und schweigen sind wieder zwei paar Schuhe. 
So viele haben wir Mädels ja wohl mindestens, oder? 

Aber wie viele Masken trägst Du?

Wie schaut es aus, Dein wahres Gesicht...? 

Kommentare:

  1. Mein wahres Gesicht kennst Du =)
    Und was ist daran zynisch? Das ist nichts als die reine Wahrheit, was Du da schreibst.
    Ich hab mich dazu auch schonmal ausgelassen. http://ashmodiel.blogspot.de/2011/03/verbiege-dich-nicht.html

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    1. Aaaahhh... Ja, ich seh schon.
      Ab noch ein paar Wörtchen da gelassen.
      Und - ja, Dein Gesicht kenne ich; es ist wunderschön ♥

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  2. Wahrheit ist mir tausendmal lieber als Lüge. Es ist okay, wenn mich jemand nicht leiden kann. Es ist okay, wenn jemand mit meiner Art nicht zurecht kommt. Es ist okay, wenn mich jemand blöd, hässlich, gemein, arrogant, verrückt oder sonstwie negativ findet. Nur soll derjenige dann nicht so tun, als sei das alles nicht der Fall. Ich erwarte einen erwachsenen, höflichen Umgang (nicht unbedingt Respekt, den muss man sich erst verdienen), aber keine Heuchelei, kein Rumgeschleime, wenn hinter dem Rücken oder in Gedanken schon gelästert wird.

    Leider haben viele Menschen schon deshalb ein Problem damit, ehrlich zu sein, weil sie nicht konfliktfähig sind. Und da ich Konflikte gern austrage und sehr ehrlich bin, haben viele Menschen ein Problem mit mir und sehen mich als hart, gemein und ungerecht an. Komische Welt, denn eigentlich schweige ich auch, wenn die Wahrheit unnötig hart wäre und kreide nur an, was ich ungerecht/unhinnehmbar finde (z.B. eben wenn ich jemanden beim Lügen erwische ;)).

    LG
    Liath

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    1. Ja, ich kenne einiges Leute die so sind und deshalb nicht immer "beliebt" - eben NICHT everybody´s Darling ;-)
      Was den Respekt angeht; ja und nein.
      Es kommt darauf an.
      Respekt für eine Leistung ect., den musst Du Dir vermutlich verdienen. Aber schon alleine der Respekt vor dem Leben, persönlichen Entscheidungen usw., der sollte generell immer vorhanden sein.

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    2. Ich meinte mit Respekt (gegenüber einer bestimmten Person) eher, dass ich ihren Verstand, ihre Fähigkeiten/Leistungen/ihren Charakter anerkenne und mich deshalb durchaus auch ihren Entscheidungen oder ihrer Autorität fügen kann, selbst wenn ich anderer Meinung bin und mich dann eben mal verbiegen muss.

      Wenn aber jemand meinen Respekt durch nichts verdient hat, dann bleibt "nur" noch Höflichkeit übrig.

      Aber alles, was von dieser Person in meine Richtung kommt, wie Entscheidungen die mich mit betreffen (alle anderen sind mir ja dann eh egal), altkluge Ratschläge oder aufgredrängte Konversationen hinterfrage ich und nehme ich ggf. auch einfach nicht an. Das hat für mich auch was damit zu tun, ehrlich zu mir und anderen zu sein.

      Respekt vor dem Leben ist natürlich immer wichtig, aber ich persönlich trenne das vom Respekt für bestimmte Personen. Als krasses Beispiel: Ich respektiere jemanden, der Frauen und Kinder schlägt, um seinen Willen durchzusetzen auf absolut keiner Ebene (und die Entscheidung, die dahinter steht, natürlich auch nicht, selbst wenn sie diesmal nicht mich betrifft). Aber weil ich das Leben respektiere, würde ich ihm natürlich auch nichts Schlechtes wünschen, sondern nur die gerechte (Justiz)Strafe für seine Taten.

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    3. Ah, ok - dann sind wir uns definitiv einig.
      Außer.... wenn ich ehrlich bin höre oder erlebe ich manchmal Geschichten (wie z.B. in Deinem Beispiel o.Ä.), da beschleichen mich schon Gedanken, die weit über unser öffentliches Rechtssystem hinaus gehen...

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  3. Ich finde Dich ebenfalls nicht zynisch, sondern ehrlich.
    Zwischen "Mitspielen" und "Raushängen lassen" gibt es noch eine dritte Möglichkeit - zumindest neige ich zu einer dritten - nämlich, jemanden als den Menschen, der er ist, anzuerkennen, obwohl man ihn nicht mag. Wenn ich jemanden nicht mag, muß ich mich dennoch nicht dauernd mit dem Gedanken belasten "boah ist der scheiße, widerlich, kann ich nicht ausstehen". Das weiß ich doch eh - und damit ist das Thema vorbei.
    Im Klartext bedeutet das für mich, Dinge zu versachlichen, denn letztlich sind es ja unsachliche Ansagen, die uns verletzen, wie "man, bist Du fett geworden". Das ist unsachlich, unter der Gürtellinie und zeugt von miserabler Kinderstube, würde ich meinen. Und genau das kann man in ruhigem Ton mitteilen. ;-) Bevor man den Kontakt einstellt oder, sollte das nicht möglich sein (man hat ja auch ungeliebte Kollegen oder Vorgesetzte), man muß eben immer mal selbst ansagen, daß derjenige sich die Mühe einer privaten Unterhaltung nicht zu machen braucht, weil man keinerlei Interesse daran hat - wenn wir jetzt bitte zurück zur Arbeit könnten. Das funktioniert aber nur, wenn man sich emotional nicht berühren läßt und der verbale Dünnschiß des Gegenübers tatsächlich abperlt. Aber dann ist es super. =D

    Leute, die hinter meinem Rücken Mist verbreiten, aber strahlend auf mich zukommen und Unsinn über vermeintlich neue Frisuren oder Taschen von sich geben, gucke ich einfach immer so lange freundlich an, bis es ihnen peinlich wird. Macht Spaß - probier das mal.

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    1. Äh, ja - diese dritte Möglichkeit meinte ich auch so ungefähr, als ich schrieb dass man aus Anstand dennoch höflich grüßen kann ect. Also gebe ich Dir Recht, klar.
      Es ist ja auch nur belastend sich den ganzen Tag Gedanken über jemanden zu machen oder besser gesagt ihn in Gedanken zu zerrupfen - das bringt´s nicht!
      Der Standpunkt ist klar, Du stehst dazu und verhältst Dich dennoch wie ein Erwachsener - fertig.

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    2. Genau. Denn ich meine - trotzdem höflich zu grüßen kann dennoch mit so einem Schwall von unausgesprochener Antipathie einhergehen, daß man genausogut ein Schild "Du bist das Allerletzte" schwenken könnte. =) Meine Mama z.B. kann sich noch so sehr vornehmen, über den Dingen zu stehen - am Ende strahlt sie ihre Meinung aus wie ein 1000-Watt-Scheinwerfer, und dabei sagt sie nicht ein unhöfliches Wort. ^^ Von daher war es für mich nochmal etwas anderes, das Gegenüber wirklich abprallen zu lassen.

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    3. Jaaaa, ich glaube da hab ich häufiger dasselbe "Problem" wie Deine Mutter... ;-)

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  4. ;-) Erstens: ich habe ewig das Wort Schebbig nicht mehr gehört oder gelesen, Danke! Klingt wie Zuhause.
    Zweitens: Ich erkenne nichts Zynisches. Jeder fragt sich das selbe und trotzdem sind wir alle zu 99 % gleich, was dieses Thema betrifft. Ob nun aus dem Grund niemanden verletzen zu wollen, nicht aufzufallen, nicht ungemütlich zu sein oder eben einfach nur, weil es ist wie es ist. Ich höre es auch nicht gern, das ich zu fett für meine Lieblingsjeans bin... aber, auch die Wahrheit kann man mit netten Worten sagen. Und in einer solchen Kombination höre ich sie gern.
    Aber in einer Gesellschaft, in der man schneller und unkomplizierter einen "like-Button" drückt als sich die Wahrheit ins Gesicht zu sagen, wird es eben immer so sein.

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    1. Ich glaube das kommt drauf an wem man gegenüber steht und dann noch wieder auf die Umstände.
      Wie gesagt, gewisse Voraussetzungen verlangen nach Diplomatie, andere schreien einfach nur nach Aufrichtigkeit. Ich z.B. drücke selbst dann nur den "Like-Button", wenn ich das Abgebildete auch wirklich "like" :-)
      Und natürlich sagt man als netter Mensch nur ungern jemandem etwas kränkendes platt vor den Kopf. Da überleg ich schon ob es sein muß und falls ja, kann man meist noch nach einer freundlichen Ausdrucksweise suchen.

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