Sonntag, 28. Oktober 2012

Alte Bräuche und neue Ideen zum TOTENFEST


Heut zu Tage gibt es allen Ortes rauschende Parties mit Gesellschaftsspielen und bunte Kostüme am Abend des 31. Oktober. Ihn ganz ruhig zu begehen ist eher selten geworden. Wenn daheim, dann stehen häufig Horrorfilme oder wenigstens angenehm gruselige Romane auf dem Programm, während man mit Süßigkeiten bewaffnet auf das Türklingeln von Kindern wartet und es heißt „Trick or Treat“. Ich mag das schaurige Gehabe und die ausgefallenen Verkleidungen, weil sie entgegen der konservativen Meinungen eine wunderbar passende Atmosphäre erschaffen.

Doch auch für die traditionellere Gestaltung dieses größten aller heidnischen Feiertage gibt es unzählige überlieferte, sowie eher experimentelle Varianten.
Vermutlich wird die Otto-Normal-Hexe ;-) gegen Sonnenuntergang mit ihrem Treiben beginnen. Während wir wahrscheinlich bereits im Voraus Karten verschickt, Kürbislaternen geschnitzt und herbstliche Rezepte ausgetauscht haben, dürfte eine ungefähre Vorstellung davon entstanden sein, wie wir diesen Abend für uns zu etwas Besonderem machen möchten.

Einige machen vielleicht in der Abenddämmerung noch einen Spaziergang über den örtlichen Friedhof, bewundern die Lichter in der Dunkelheit und tauschen einige stille Worte mit den Verstorbenen aus.

Es tut gut sich ein wenig zurück zu ziehen, auf dem Altar einen Platz für die Ahnen einzurichten. Fotos können dazu gehören, Lieblingsblumen der jenigen vielleicht und weiße Kerzen. Wer mag setzt sich einen Augenblick und schreibt einen Brief. Was blieb ungesagt? Welche Fragen drängeln nach wie vor? Genauso gut können wir jemand Speziellem ein geliebtes Lied vorspielen, ihm ein Gedicht schreiben und es ihm einfach später unter den Teller legen oder eben an den Platz auf dem Altar.

In der Regel beginnt der eigentliche Festakt häufig mit einem, teilweise auch in Stille abgehaltenen, Mahl. Es wird je nach persönlicher Vorliebe mehr oder weniger üppig gespeist und getrunken. Fast immer jedoch wird bei diesem Dinner ein Gedeck am Tisch für die Toten aufgetan werden. Dieses bleibt quasi frei und die Speisen werden von den Gästen nicht verzehrt. Eher geht man hin und stellt sie hinterher raus vor die Türe, damit sich die Feen oder andere Geister davon nähren können. Während des Essens kann somit entweder eine amüsierte Stimmung herrschen, in der Erinnerungen ausgetauscht werden und Gelächter, oder aber völlige Ruhe. Wer den Abend alleine verbringt wird sich seine eigenen Gedanken machen. Eine liebevolle Geste ist es wenn man vielleicht für einen gerade verlorenen oder auch schon lange verabschiedeten Menschen das Lieblingsessen zubereitet.

Nach der Stärkung wird oftmals zu eher „harmlosem Partyspaß“ übergegangen. Kerzenhalter aus Äpfeln oder kleinen Kürbissen können gefertigt werden und später in einer Zeremonie Verwendung finden. In den Fenstern stellen wir ebenfalls (heut zu Tage aus Sicherheitsgründen häufig künstliche bzw. elektrische) leuchtende Kerzen oder Laternen auf, um den Ahnengeistern den Weg zu weisen. Sie sollen sich nicht verirren und ggf. den Weg zu uns nach Hause finden.

Auch kann man versuchen mittels Schmuckstücken oder ähnlichen persönlichen Dingen der Vorangegangenen ein wenig Psychometrie zu betrieben, also einfach ruhig zu werden und sich den aufsteigenden Eindrücken zu widmen. Ouja-Bretter zur Kontaktaufnahme oder ein Blick in die Glaskugel sind zu ähnlichen Zwecken ebenfalls sehr beliebte Werkzeuge.

Zu fortgeschrittener Stunde ist es an der Zeit für ein kleines Ritual. Vermutlich wird es Abschied und Loslösung zum Thema haben, oder auch Verabschiedung und Begrüßung. Jeder hat mit Sicherheit so seine Gedanken oder Erfahrungen, die er mittels einer Zeremonie loslassen bzw. diesen Vorgang ausdrücklich bekräftigen möchte. Diese kann man stichpunktartig oder eben in Briefform auf ein hübsches Pergament schreiben, eine Postkarte oder ein Foto. Wer kein großes Samhain-Feuer im Kessel ect. entfachen möchte oder kann, der behilft sich ebenso gut mit einer passenden Glas- oder Votivkerzen, um die Worte den Flammen zu übergeben. Kleine Opfergaben und alles Niedergeschriebene können hinein geworfen und die Asche hinterher als Talisman aufbewahrt oder verstreut werden.

Kreuzweg-Rituale sind sehr beliebt, gerade zu dieser Jahreszeit und insbesondere unter „den Anhängern“ der Hekate. Jedoch wird ein Zauber, der daheim oder im Garten ausgeführt wurde, sicher nicht minder wirksam sein.

Wer sich jedenfalls im Anschluß entscheiden sollte aus der zurück gebliebenen Asche und womöglich noch anderen Kleinigkeiten ein Mojo zu fertigen, braucht dazu eigentlich gar nicht allzu viel. Hübsch finde ich derzeit ganz besonders Filz- oder Samtbeutelchen, vielleicht Federn, eine Sigille, Steinchen, Anhänger und Naturmaterialien. Auch die Bänder kann man passend wählen, z.B. in orange und schwarz. Solche Säckchen finde ich immer prima um für Schutz zu arbeiten oder halt um Negativität abzuwehren.

Aber nicht jeder hat Ruhe und Muse um aktiv zu werden. Genauso schön kann es sein sich einfach zu versenken, etwa eine gelenkte Meditation zu machen, die Gedanken schweifen zu lassen. Man mag sich vorstellen wie unsere Altväter vor hunderten oder ein paar Tausend Jahren diese Nacht zelebrierten. Wie es gerochen hat nach den Feuern, wie kalt die Luft auf den Hügeln gewesen ist, der Wechsel in den Winter sich anfühlte... So mancher mag den Opfern der Hexenverfolgungen im Mittelalter seine Ehre erweisen, ihnen auf eigene Art gedenken.

Gegen Mitternacht sodann ist Gelegenheit einen ersten Blick in die Zukunft zu riskieren. Runen werfen oder eben Karten legen. Ich selber finde dieses Datum immer günstig für eine Jahreslegung. Das braucht eine Weile und inzwischen wird es dann auch Zeit sein ins Bett zu gehen.

Am nächsten Tag wollen schließlich die Gräber unserer Verwandten besucht und auf Vordermann gebracht werden. Wir richten sie schön her, bringen Kränze mit oder Gestecke und neue Kerzen.

In ein paar Tagen rückt nun der Kalender auf dieses Datum, aber Samhain ist schon lange da...

 

Kommentare:

  1. das hast du schön beschrieben, wenngleich es glaube ich da keine so einheitliche linie gibt. dein beschriebender samhain-abend ist aber ein sehr schöner und stimmiger und er gibt schöne anregungen. dein vorheriger artikel fasst den ursprung des festes ebenfalls sehr schön zusammen.

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    1. Vielen Dank Freia, freut mich dass es Dir zusagt :-)
      Das mit dem Ablauf war auch eher so ein Vorschlag, ein fiktiver Tagesablauf, der anzeigt was eben machbar wäre.
      Ich selber werd es zeitlich jedenfalls so nicht hinkriegen. Bin froh wenn ich es schaffe den Altar umzudekorieren und dann noch die Karten zu legen ;-)

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