Donnerstag, 2. April 2020

Anthropophobie

Die Anthropophobie (griech.: ἄνθρωπος (anthropos) = Mensch; φόβος (phobos) = Furcht, Scheu) ist die übersteigerte Angst eines Menschen vor anderen, und wird im allgemeinen Sprachgebrauch oft mit dem weniger schwerwiegenden Begriff der Menschenscheu bezeichnet. Die Anthropophobie ist eine soziale Phobie, das heißt eine Angststörung, die sich in der Gemeinschaft mit anderen Menschen bemerkbar macht. Dies kann in Extremfällen zur Abschottung gegenüber jeglicher Interaktion mit anderen Menschen führen. Soziale Isolation mit allen ihren Problemen ist die Folge, muss aber auch als Bewältigungsstrategie gesehen werden, die der Angstreduktion dient, so dass diese Isolation vom Betroffenen auch gewünscht ist. (Quelle / Textnachweis)


Entwickeln wir durch Covid19 nun eine großflächige soziale Phobie? Ich habe an mir selber eine beunruhigende Regung feststellen müssen: Menschen machen mir plötzlich Angst. Womit ich nicht den moralischen Verfall unserer Gesellschaft meine, den ich schon lange kopfschüttelnd beobachte. Sondern ganz konkret die Tatsache, dass jemand mir körperlich nahe kommen könnte. Die einzige Person, auf die das nicht zutrifft, ist mein eigener Ehemann, mit dem ich zusammen lebe. 

Jeder von uns hat seinen privaten Tanzbereich. Eine persönliche Grenze, die kein ausreichend nahe stehender überschreiten sollte, weil ansonsten ein unbehagliches Gefühl in uns ausgelöst wird. Auf Grund des aktuellen Kontaktverbotes scheint diese imaginäre Linie sich bei mir aber auf tatsächlich mindestens zwei Meter ausgedehnt zu haben. Natürlich liegt es ganz klar auf der Hand: Es ist die Angst vor Ansteckung. Ich war seit je her jemand, dem zum Beispiel eine Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln unangenehm gewesen ist. Nicht so schlimm paranoid wie beim allseits beliebten Sheldon Cooper. Aber Sauna ist für mich auf jeden Fall echt abartig. Leute husten, schwitzen, atmen, fassen Haltegriffe oder ähnliches an. Im Bus oder Zug sind sie mir zudem körperlich deutlich näher, als ich es bei Personen gerne habe, die ich nicht kenne. Bazillen und Viren schwirren überall umher, so dass ich mich nach dem Aufenthalt in einer Arztpraxis, einer U-Bahn etc. ohnehin irgendwie schmutzig gefühlt habe. Jetzt ist das aber nochmal eine ganz andere Nummer. Plötzlich erscheint mir eigentlich jeder als eine potenzielle, unmittelbare Gefährdung für meine Gesundheit.

Im Supermarkt, der Apotheke usw. macht sich das am meisten bemerkbar. Überall dort also, wo ich anderen überhaupt noch begegne. Sogar wenn mir im Wald beim Laufen Spaziergänger oder andere Jogger entgegen kommen, mache ich einen extra großen Bogen um sie herum.Geht im Laden jemand an mir vorbei, spüre ich eine regelrechte Stressreaktion in mir aufsteigen. Irgendwann stellte ich fest: Du hast echt Angst vor den Leuten. Bzw. dass sie krank oder Träger sein könnten.

Aktuell beobachte ich hauptsächlich zwei Arten von Umgang mit der sozialen Distanz: Die einen nehmen es überhaupt nicht ernst, finden es übertrieben und machen sich scheinbar auch keinen Kopf darüber, ob sie jemanden infizieren könnten. Die anderen halten sich brav an alle Regeln, scheinen aber nicht weiter aufgeregt oder betroffen zu sein. Was ja durchaus vernünftig ist. Es bleibt uns eh keine Wahl. Aber gibt es noch mehr von denen, die sich gerade so fühlen wie ich?  Gutes Mittelmaß wäre ja gesund. Ich hingegen scheine zu einer eher extremen Reaktion zu tendieren. 

Vor ein paar Tagen war es besonders traurig: Ich traf meine unbiologische Schwester liebe Freundin K. im örtlichen Edeka-Markt. Wir mussten einkaufen. Sie gehört zu den Alltagshelden dieser neuen Zeit, die sich tagtäglich abrackern, Überstunden kloppen und an ihre Grenzen gehen, um uns andere weiterhin mit allem Notwendigen zu versorgen. Um sich, nebenbei bemerkt, dafür häufig auch noch überflüssiger Weise mit Spott, Meckereien und Unfreundlichkeit belohnen lassen zu dürfen.

Als wir auf den Parkplatz gefahren kamen sah ich sie gleich vor dem Laden stehen. Noch ein Zigarettchen vor Dienstantritt. Sie drehte sich um, bemerkte mich auch und kam mit ausgebreiteten Armen in meine Richtung gelaufen. Während ich ihr ebenfalls entgegenging, sprang plötzlich ein Mechanismus in mir an, der mich stoppen ließ. Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben Angst, meine Freundin zu umarmen. Vielleicht klingt das jetzt in Euren Ohren total banal. Aber für mich war es irgendwie eine große Sache. Auf einmal schossen mir etliche Gedanken durch den Kopf. Dass sie jetzt sicher enttäuscht wäre oder sich abgelehnt fühlte. Dabei wollte sie mich vermutlich selber auch gar nicht wirklich umarmen. Bzw. wollten wir es natürlich beide! Doch ich vermute, dass sie es genauso wenig tatsächlich vor hatte, wie ich. 

Normalerweise begrüßen wir uns wahnsinnig überschwänglich. Drücken uns feste und herzlich, Küsschen auf den Mund, freudestrahlende Mädels. Und dann das. Wir standen uns gegenüber und ich schämte mich. Für meine Distanz. Ich denke schon, dass wir uns richtig verhalten haben. Genauso wie es vorgeschrieben ist und es auch der gesunde Menschenverstand im Augenblick verlangt. Dennoch tat es mir einfach nur furchtbar leid und ich fühlte mich wie die schlechteste Freundin der Welt,  mies. Erschwerend kommt nämlich noch hinzu, dass wir uns seit ein paar Wochen nicht getroffen hatten. Selbst unsere teilweise stundenlangen Unterhaltungen via WhatsApp-Sprachnachrichten wurden von den veränderten Verhältnissen, viel Arbeit, Stress und dem ganzen Krempel, geschluckt. So standen wir da, mit einer circa anderthalb Meter messenden Entfernung von einander. Der Abstand jedoch kam mir sehr viel größer vor. Das hat mich emotional ganz schön aus der Bahn geworfen.

Ähnlich geht es mir mit meinen anderen Freundinnen und der Clique hier aus unserem Wolfsrudel, mit der ich sonst eigentlich jedes Wochenende verbracht habe. Sie fehlen mir. Ich sehe im Kalender die Einträge von Veranstaltungen, an denen wir normalerweise gemeinsam teilgenommen hätten. Wir hätten zusammen gefeiert, gelacht, getanzt, geredet. Diese Termine sind nun gestrichen. Wir winken uns statt dessen mal aus der Ferne, rufen uns was zu, machen Quatsch in den Gruppenchats. Und manchmal fühle ich einen kleinen Stich, weil ich sie einfach nicht sehen darf und auch keinen blassen Schimmer habe, wann sich das wieder ändern wird.

Hoffen wir alle, dass schnell ein Impfstoff und / oder Heilmittel gefunden wird. Denn so lange wir das nicht haben, wird sich für mich persönlich an der Situation quasi nichts ändern. Selbst wenn die Regierung das Kontaktverbot aufheben sollte, weiß ich nicht ob ich das Risiko in Kauf nehmen würde. Risikogruppe und so. Keiner kann mir sagen inwieweit die immunsuppressive Behandlung sich nach wie auswirkt. 

Zu meinem Mann habe ich kürzlich gesagt, dass dieser Wehmut auch etwas Schönes hat. Denn meine Empfindungen zeigen einfach, dass sie mir etwas bedeuten. Dass ich diese Menschen wirklich gerne habe. Sie machen mich dankbar, dafür Teil einer wunderbaren, verrückten Gemeinschaft zu sein. Sie beantworten die eine essenzielle Frage. Nämlich die, ob mein Herz intakt ist.

Neulich stieß ich dann auch genau im Herzstück-Magazin auf ein tolles, dazu passendes Zitat:


Ich kann aus voller Überzeugung behaupten: Ja! Ich weiß, dass ich am rechten Ort bin, zur richtigen Zeit und dass ich genau diejenigen getroffen habe, mit denen ich noch einmal zusammen sein will und noch unzählige Male. Die ich wieder sehen will. Und ich wache neben dem einen morgens auf, mit dem ich bis ans Ende meines Lebens auch in Quarantäne bleiben wollen würde. Mit ihm und unseren drei Schnuppen natürlich. Also habe ich alles gefunden, wonach es sich zu suchen lohnt.

Mittwoch, 1. April 2020

Begleiterscheinungen

Einer der positiven Nebeneffekte dieser ganzen Corona-Misere ist definitiv, dass ich mich nun schon zum zweiten Mal innerhalb von 10 Tagen dazu bemüssigt fühle, hier meine Gedanken aufs virtuelle Papier zu bringen. Keine Ahnung wann ich das Schreiben verlernt oder vergessen hatte. Es geschah einfach. Der Alltag gab es nicht mehr her. Aber vielleicht war es nicht nur das. Auch die Quelle in meinem Inneren war versiegt. Ich hatte schlicht nichts zu sagen. Natürlich ist mir das aufgefallen und es tat auch lange irgendwie weh. Doch der Schmerz darüber verblasste mit mit der Zeit.

An die Stelle meiner Blogeinträge traten tägliche Aufzeichnungen in meinen privaten Tagebüchern. So ganz old School mit der Hand. Jeden Morgen zog ich eine Tageskarte oder auch am Abend davor. Jeden Monat nahm ich ein anderes meiner aktuell 30 Tarot- oder Orakelkartendecks. Ich schrieb auf, wie ich die Karte verstand. Was ich meinte, was sie mir an jenem Tag zu sagen hätte und wie ich ihre Bedeutung interpretierte. Am Abend dann oder am nächsten Morgen machte ich mir Notizen, wie der Tag tatsächlich verlaufen war. Ein und dieselbe Karte konnte in einem Monat dreimal erscheinen und jedes Mal etwas anderes ankündigen. Die Grundenergie einer Karte bleibt stets dieselbe. Aber sie bezieht sich mal auf einen bestimmten Lebensbereich, mal auf Dein Gefühlsleben, dann wieder auf Deine Gedankenwelt, Beziehungen, Erlebnisse oder auch bestimmte, wichtige Situationen. 

Ich lernte meine Decks neu und intensiver kennen, was auch der Grund gewesen war, weshalb ich das irgendwann angefangen hatte. Darüber hinaus wollte ich eine spirituelle Praxis in meinem Alltag integrieren, in der ich mich mit mir und meinen Empfindungen auseinander setzen konnte. Privat. Das waren sehr persönliche Eindrücke und Erfahrungen. Nichts, was ich hätte ins Netz stellen wollen.

Irgendwann war ich mit dem Zyklus durch. Alles im Leben hat seine Zeit. Es gibt Phasen der Einkehr und Innenschau, in denen wir schweigen und die Dinge mit uns selbst ausmachen. So eine war das wohl. Und ich hatte eine Menge zu verdauen, das könnt Ihr mir glauben.

Meine knapp 30 überschüssigen Cortison-Kilos hatte ich dank eisernem Willen, Durchhaltevermögen, viel Disziplin und nicht zuletzt der WW-App wieder abgenommen. Ich konnte mich endlich wieder lieben. Die Frau im Spiegel, das war wieder ich. Mit mir blühte auch mein soziales Leben wieder auf. Ich ging viel auf Parties, begleitete meinen Mann zum Fußballplatz und amüsierte mich köstlich mit den Mädels. 

Nach einer Weile jedoch begannen die täglichen Eintragungen mich zu ermüden. Da ich seit 2012 schon durchgängig auf Instagram sehr aktiv bin (zu meinem Account @athenaenodia gelangt Ihr, wenn Ihr in der linken Sidebar auf die Insta-Diashow klickt), kam ich eines Tages auf die Idee, dass ich auch dort mit meinen täglichen Interpretationen weiter machen könnte.

Auch hier hatten sich Ermüdungserscheinungen breit gemacht. Mir stand nicht mehr der Sinn nach den ewigen Nagellack- und Kaffee-Fotos. Obwohl ich die sehr mochte, war es irgendwie immer dasselbe und mir fielen schon langsam keine kreativen Ideen mehr ein, die Bilder neu oder abwechslungsreich zu gestalten. Also begann ich, die Botschaften allgemeiner zu formulieren und die Karten jeden Morgen mit meinem Kaffee zusammen zu fotografieren.

Das gab mir plötzlich neuen Schwung. Ich suchte weiterhin jeden Monat ein anderes Kartendeck heraus, welches ich thematisch und anhand der Gestaltung für die jeweilige Jahreszeit als passend empfand. Zusätzlich konnte ich mir jetzt für jeden Monat ein anderes Layout einfallen lassen. Einen Rahmen, eine Farbgebung oder kleine Effekte, die sich vom Vormonat unterschieden. An dieser täglichen Praxis habe ich bis heute große Freude. Seit letztem Oktober mache ich das nun und es ist ganz besonders schön, dass ich dafür auch noch häufig positives Feedback bekomme. Es scheint den Menschen gut zu tun, den Morgen mit einer Message zu beginnen, an der sie sich tagsüber in bestimmten Situationen oder Gefühlslagen orientieren können. Damit habe ich das Rad zwar nicht neu erfunden, denn es gibt auch noch viele andere tolle, kreative und spirituelle Menschen, die ähnliche Beiträge teilen. Aber darauf kommt es mir ehrlich gesagt auch gar nicht an. Ich berühre einige Seelen mit meinen Worten und Bildern, das fühlt sich echt gut an.

So ist das im Leben. Wie das Meer den Gezeiten von Ebbe und Flut unterworfen ist und die ganze Natur dem Wandel der Jahreszeiten, so verpuppen auch wir uns manchmal. Dann sind wir still, brüten vor uns hin. Aber irgendwann kommen wir auch wieder hervor. Meistens stärker, schöner und besser als zuvor.

Was das jetzt alles mit Corona zu tun hat? Na ja, ist halt auch so eine Phase, durch die wir jetzt durch müssen. Ich wollte aber doch eigentlich von Begleiterscheinungen sprechen. Abgesehen davon, dass 8 Rollen Toilettenpapier aktuell 5,-€ kosten, meine ich. Die ich in dem Moment natürlich gern bereit bin zu zahlen, nur mal so am Rande. Bin ja froh, wenn ich überhaupt welches kriege. Angebot und Nachfrage bestimmen eben den Markt. Wenn also jeder Klopapier haben will und kaum welches verfügbar ist, dann steigt der Preis. Ganz einfach. Diese Gegensätzlichkeiten sind schon faszinierend. Einige können oder dürfen momentan überhaupt nicht arbeiten, die sind völlig fertig, verängstigt und sorgen sich um ihre Zukunft. Andere können sich vor Arbeit nicht mehr retten. Ganze Wirtschaftszweige und Branchen sind vom Ruin bedroht, wohin gegen andere sich dumm und dämlich verdienen, wie man so schön sagt.

So langsam kehrt auch bei mir wieder etwas Ruhe ein. Innerlich. Alles andere bleibt wie gehabt. Hausputz, Wäsche, Einkauf und Job müssen trotz allem erledigt werden. Aber diese extreme nervliche Anspannung hat etwas nachgelassen. Zwar ist nach wie vor nichts sicher, alles bleibt offen und ungewiss. Ich will auch nicht behaupten, dass ich mich himmelhoch jauchenzend fühle. Aber der Mensch scheint sich, wie und je, recht schnell an neue Gegebenheiten anpassen zu können. Auch in dieser surrealen Lage ist bereits so etwas wie Routine eingekehrt. Man arrangiert sich. 

Wir wollten zum Beispiel schon lange diesen Hype um "Game of Thrones" verstehen, hatten aber bislang nie die passende Gelegenheit, dort mal rein zu schnuppern. Letzte Woche haben wir mit der ersten Staffel begonnen und sind jetzt glaube ich bei Folge 10. Echt klasse, bin gespannt wie es weiter geht! Wo außerdem inzwischen auch aus meinem Kopf der Gedanke verschwunden ist, dass ich vielleicht lieber erstmal verstärkt haltbare Lebensmittel einkaufen sollte, gibt es sogar endlich einmal wieder seit langem frische Salate und selbst gekochtes, gesundes Mittagessen. Obst und Gemüse, Vitamine, echte Nahrung für Körper und Seele.

Dazu komme ich zwar auch jetzt nicht jeden Tag, weil ich halt meinem geregelten Arbeitsalltag ganz normal weiter nachgehen muss bzw. darf. Ein Segen, dass wir beide, mein Mann und ich, in der Digitalisierung tätig sind. Aber das war einfach in den letzten Wochen komplett untergegangen. Nur noch Schnitten, Fertiges oder Bestelltes. Mit dem Frühlingserwachen lechze ich nun aber wieder regelrecht nach leichter, bekömmlicher und selbst zubereiteter Kost. Für April steht daher Ernährung hier ziemlich weit oben auf der Agenda.

Heute ist das Wetter noch einmal herrlich. Da wir die Uhren umgestellt haben, was mich persönlich übrigens überhaupt nicht kratzt, kann ich nun auch wieder nach Feierabend joggen gehen. In der dunklen Jahreshälfte hatte ich dafür meine Mittagspause auf zwei Stunden ausgedehnt und abends eine Stunde länger gearbeitet. Nachher werde ich mich also in die Laufschuhe werfen und mir im Wald den Kopf frei rennen. Und auch die Kalorien-Sünden von gestern. Und von den Tagen davor. 

Neulich las ich einen dieser Facebook-Sprüche und musste schmunzeln. Da stand "wenn  wir die Corona-Krise hinter uns haben, dann sind wir alle übergewichtig, schwanger oder Alkoholiker". Da ist was dran.

In diesem Sinne, passt auf Euch auf Ihr Lieben und bleibt gesund.


Dienstag, 24. März 2020

Ausnahmezustand

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. In den vergangenen Jahren sind die Rufe der Menschen nach Entschleunigung, Ruhe, Auszeiten und Umweltschutz immer lauter geworden. Nichts Neues also. Nun aber befinden wir uns mitten in einem Szenario, das uns genau all dies, quasi als Nebenwirkung, mit sich bringt. Auch nicht gut. Ganz im Gegenteil: Richtig schlimm! 

Das ist durchaus nicht sarkastisch gemeint und ich schließe mich auch keineswegs davon aus. Es ist schlimm! Die Lage ist ernst. Ich wünschte alle Menschen würden sie auch ernst nehmen. 

Natürlich hat sich vermutlich keiner DAS als Lösung gegen zu viele Termine, für mehr Lesezeit oder um den CO2-Ausstoß zu minimieren, gewünscht. Aber wir können es uns nicht aussuchen. Und wir können es auch nicht ändern. Wir können Einfluss nehmen, das wohl. Indem wir zuhause bleiben, uns vernünftig und solidarisch verhalten.

Irgendwer hat das für uns entschieden. Oder auch zu eigenen Gunsten. Vielleicht die Welt. Wenn es jemanden entlastet, dann jedenfalls Mutter Natur. Gönnen wir ihr diese kleine Verschnaufpause, so lange wir warten, beten und kämpfen, wieder in unser gewohntes Leben zurück kehren zu können.

Wobei wir hier eine Lektion lernen könnten und auch nachhaltig etwas zum Positiven wenden. Aber das steht auch wieder auf einem anderen Blatt Papier. Jetzt ist es für den Moment so und wir müssen damit klar kommen. Das ist leicht dahin gesagt, fühlt sich allerdings überhaupt nicht danach an.

Ich persönlich muss gestehen, dass sich in meinem Alltag eigentlich kaum etwas verändert hat. Natürlich ist alles anders. Aber ich brauche bisher auf nichts zu verzichten. Da kann ich mich glücklich schätzen und ich weiß das auch. Ich arbeite seit Anfang letzten Jahres beispielsweise Vollzeit für eine Firma mit Sitz in Berlin, im Homeoffice. Was derzeit für viele Menschen eine echte Herausforderung darstellt, ist für mich längst Gewohnheit. Eine, die ich sehr schätze, übrigens. 

Seit etwas über einem halben Jahr habe ich das Joggen für mich (wieder-) entdeckt. Was ursprünglich gedacht war, meine Figur zu halten und mir einen Ausgleich zu der ganztägig sitzenden Tätigkeit zu verschaffen, ist nun ein großer Eckpfeiler in Sachen "geistiger Gesundheit" für mich geworden. So sage ich das immer, in den letzten Tagen.

Auch hier darf ich dankbar sein. Wir leben in unserem Dörfchen umgeben von ziemlich viel Grün. Echte Natur, Felder und Wälder, in welche Richtung man sich auch dreht. Gegen Stress gibt es für mich nichts besseres, als die Laufschuhe anzuziehen und einfach raus zu rennen. Und Stress ist da, er ist überwältigend.

Morgens stehe ich auf und erwache für einen seligen Augenblick in der Illusion, dass alles in bester Ordnung sei. Mein Leben ist wunderschön, ich bin gesegnet. Das ist nach wie vor so und dessen bin ich mir stets bewusst. Allerspätestens wenn ich dann das Radio einschalte, die Katzen füttere und den ersten Kaffee anstelle, wird mir klar, dass dennoch nichts mehr so ist wie vorher.

Corona, dieses große böse Ungetüm, liegt über allem wie ein Schleier. Keiner kann zum jetzigen Zeitpunkt sagen wie es wirklich weiter gehen wird. Wie sich diese Krise entwickelt. Wie wird unsere Welt in einem Monat aussehen, in sechs, in einem Jahr? 

Ich versuche nicht darüber nachzudenken und glaube, das ist auch ganz wichtig. Wer sich den ganzen Tag lang über diese gewaltigen Fragen den Kopf zerbricht, der wird daran zerbrechen. Dann lässt die Depression schön grüßen und steht schneller Gewehr bei Fuß, als man sich vorstellen könnte. Kann somit nicht der richtige Weg sein.

Also müssen gesündere Strategien her. Ich versuche genauso weiter zu leben wie bisher. Bzw. tue ich das eigentlich tatsächlich beinahe auch. Wenn da nicht diese innere Unruhe wäre. Das Damoklesschwert einer latenten Bedrohung, die permanent vibrierend über unseren Köpfen schwebt.

Ich spüre meine Angst. Nervliche Anspannung, flache Atmung, schneller Herzschlag, Fahrigkeit. Und vor allem kann ich mich so gut wie gar nicht konzentrieren. Mehrmals täglich durchlebe ich verschiedene Phasen von Gefühlszuständen. Glückliche Momente, in denen ich mir keine Sorgen mache. Ein leckeres Frühstück mit meinem Mann, ein paar Seiten lesen, fernsehen, alles gut und normal. 

Anfangs ging es mir nur dann richtig schlecht, wenn ich konkret mit Fakten oder News konfrontiert wurde. Beunruhigende Nachrichten in WhatsApp-Gruppen, Berichte über Hamsterkäufe im TV oder einfach die neuesten Zahlen Infizierter. Sowas ließ mich in Tränen ausbrechen und überforderte mich emotional einfach vollständig. 

Der ultimative Kontrollverlust und das auch noch im Kollektiv. Ist es nicht so? Wir Leute von heute sind ja sehr aufgeklärt. Nehmen wir die Achtsamkeit: Wir wissen um die Kraft des Lebens im Augenblick. Weder festzuhängen in Verzweiflung über die vergossene Milch der Vergangenheit, noch in Grübeleien und Sorgen betreffend eine ungewisse Zukunft. Darin sollten wir uns üben, denn nichts davon ist unnützes Eso-Geschwafel. Aber es ist nicht so einfach, angesichts einer Situation mit der Tragweite von Corona.

Wo man sich zu Beginn dieser Riesen-Welle, die auf uns zurollte, zunächst "nur" über die eigene Gesundheit und das blanke Überleben ängstigte, geht es jetzt um darüber hinaus weit reichende Auswirkungen und Folgen, die womöglich noch viel länger anhalten werden, als die eigentliche Virusinfektion. 

Existenzängste im ganz großen Stil. Ob Gastronomie-Betriebe, Fitness-Studios, Reisebranche, Veranstalter oder kleine Boutiquen. Alle haben zu Recht Angst. Es kann jeden treffen. Behalten wir unsere Jobs? Ist das eigene Einkommen gesichert? Was passiert mit der Welt-Wirtschaft, das dann auch direkten Einfluss auf jeden von uns haben wird? Größere Unternehmen können eine Weile länger durchhalten, aber Garantien gibt es irgendwie keine mehr.

Eines unserer größten und essentiell wichtigsten Grundbedürfnisse wird gerade nicht nur berührt, sondern massiv angegriffen: Das nach Sicherheit. Dass die eine Illusion ist, erkennt gerade nicht nur einer alleine, sondern im Prinzip wirklich alle. Wie schnell das jetzt alles ging. Es war und es ist unaufhaltbar. Wie eine Naturgewalt, der die Menschen sich beinahe nackt und ungeschützt gegenüber sehen. 

Wir wissen es nicht. Keiner kann es uns sagen, niemand wird versprechen, dass alles gut wird. Da hilft nur Glauben und Vertrauen. Wobei nichts natürlich gerade schwerer fällt. Zündet Kerzen an, betet zu allen Göttern und Engeln, an die Ihr Euch wenden könnt und möchtet. Bleibt zuhause, trefft Euch nicht unnötigen mit anderen Menschen. Aber bleibt in Kontakt. Redet. Sprecht über Eure Gefühle, Ängste und Nöte. Schreibt sie auf. Tauscht Euch mit Euren Freundinnen aus, geht auf Eure Partner ein. Kuschelt mit Euren Haustieren. Bewegt Euch an der frischen Luft, macht den Frühjahrsputz und nutzt die "geschenkte Zeit", für die Projekte, die bisher liegen geblieben sind.

Es wird vorüber gehen. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass die Ausbreitung sich verlangsamt. Das geht uns alle an. Es betrifft die ganze, große, weite Welt. Aber das wisst Ihr ja, hoffe ich. Ihr habt verstanden, dass es nicht nur um Euch selber geht. Darum, dass die Ansteckung mit dem Virus für Euch selber vielleicht nicht mehr als ein wenig "Erklältung" bedeuten würde. Aber für andere ist es lebensbedrohlich. Für die alten und die Vor-Erkrankten. 

By the way möchte ich erwähnen, dass ich wegen Morbus Crohn selber jahrelang immunsuppressiv behandelt worden bin. Für mich ist das eine ernst zu nehmende Sache. Zwar gehe ich regelmäßig joggen, bekomme Vitamin-B12-Spritzen (weil mein Körper das auf Grund der Erkrankung schon seit Jahren nicht mehr eigenständig aus der Nahrung aufnehmen kann) und habe seit Anfang 2017 meine Ernährung sehr bewusst umgestellt. Aber ich muss trotzdem aufpassen.

Insofern bin ich froh und dankbar, dass man versucht die Risikogruppen nach Kräften zu schützen. Nicht nur für mich. Nichts könnte den Niedergang dieser Gesellschaft mehr verdeutlichen, als wenn wir jetzt nicht zusammenhalten und versuchen würden, Leben zu retten. Jedermanns Leben. Das von Krebspatienten z. B., die aktuell Bestrahlung oder Chemo bekommen. Jeder Eurer Nachbarn, Freunde und Vereins-Kameraden kann eine chronische Vor-Erkrankung haben, die im Falle einer Infektion mit Covid19 das Zünglein an der Waage bedeuten würde.

Aber ich sehe und verstehe dennoch sehr gut, was diese massiven Einschnitte in unser gesellschaftliches Leben mit einem machen können. Ohne Sportvereine oder wenigstens den geregelten, gewohnten Arbeitsalltag kann einen schon mal der Lager-Koller überkommen. Kein Friseurbesuch mehr, keine Fußballspiele, kein Kaffeeklatsch mit Freundinnen, keine Parties. Das sind natürlich alles Dinge, die jetzt keine Priorität haben dürfen. Trotzdem macht das was mit jedem von uns.

Verschwörungs-Theoretiker haben in diesem Jahr selbstverständlich Hochkonjunktur. Was für ein gefundenes Fressen eine solche Pandemie aber auch ist. Ganz ehrlich Leute, ich habe keine Ahnung "wer Schuld ist". Ob irgendein verrückter Professor das Virus auf uns losgelassen hat, um die Überbevölkerung einzudämmen, dies eine Form von kaltem Krieg darstellen soll oder tatsächlich eine göttliche Strafe. Dafür wie wir mit diesem Planeten, uns gegenseitig und den Tieren umgegangen sind. Mit unseren eigenen Leben. An Zufälle glaube ich nicht. Alles hat meiner Meinung nach einen Sinn. Bloß spielt es in meinen Augen grad gar keine Rolle, woher das Übel gekommen ist. Wir müssen damit fertig werden, das ist der Punkt. 

Was mit der Moral von Menschen passiert, die sich nach einer globalen Katastrophe vom Aussterben bedroht fühlen, dürfte nicht erst seit The Walking Dead oder apokalyptischer Literatur bekannt sein. Ich möchte wirklich nie erleben, was die Generationen vor uns am eigenen Leib erfahren mussten. Krieg, Tod und Massensterben. Wenn man allerdings mitbekommt, dass brave Bürger sich schon wegen Toilettenpapier an den Kragen gehen, drängen sich einem ganz von selbst irgendwann Befürchtungen hinsichtlich Ausschreitungen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen auf.

Doch das Ganze hat, wie alles im Leben, auch seine lichten Seiten. Plötzlich erkennt auch der Letzte, wer die Helden des Alltags in dieser Gesellschaft sind. Unterbezahltes Personal wie Krankenschwestern, Supermarkt-Kassiererinnen & Co. werden ganz besonders gefordert. Plötzlich fällt es jedem auf. Digitalisierung ist nicht mehr  etwas zweifelhaftes, das Arbeitsplätze gefährdet. Momentan sichert sie eher welche, macht für viele ihre Arbeit überhaupt noch möglich und erleichtert es darüber hinaus, miteinander vernetzt zu bleiben. Wir begreifen uns außerdem wieder viel deutlicher als die sozialen Wesen, die wir von Natur aus sind. Bringen eine größere Wertschätzung auf für die "selbstverständlichen Gegebenheiten", die von heute auf morgen gar nicht mehr als solche erschienen. Aus der Sicht einer bedrohten Spezies, die plötzlich eingestehen muss wie fragil ihr solide geglaubtes Fundament in Wirklichkeit ist, hat vieles einen neuen, höheren Stellenwert.

In diesem Sinne, passt auf Euch auf. Auch gegenseitig. Bleibt gesund, tut etwas für Euch, das Euch glücklich macht. Glaubt an das Gute und tragt selbst die Hoffnung in die Welt, die Ihr Euch wünscht und die wir alle so sehr brauchen.

Please guide me, please lead me, please show me the way



Sonntag, 25. November 2018

Einstimmen auf die Rauhnächte

Die dunkle, kalte, stille Zeit hat begonnen. Wobei es mit der Ruhe vor und im Advent ja leider nicht soweit her ist. Die meisten Menschen hetzen nur so durch die Vorweihnachtszeit und der Stress gipfelt dann an den Feiertagen. Letztes Jahr war ich selber beruflich so stark in Beschlag genommen, dass ich ab dem ersten Weihnachtsfeiertag krank wurde und richtig flach gelegen habe. 

Rückblickend habe ich verstanden, dass diese Art zu arbeiten völlig gegen meine Natur geht und gegen die eigenen Traditionen, die wir uns über Jahre erschaffen hatten. Für mich war es früher schon immer möglich gewesen die gesamte Zeit der Rauhnächte über in Urlaub zu gehen. Also frei zu machen und diese Tage zwischen den Jahren daheim zu verbringen, mit Mann und Mäusen. Wir waren dadurch relativ frei zu entscheiden, wann und wie wir was machen wollten. Letztes Jahr lief das völlig anders ab. Ich glaube auf lange Sicht wäre es schon allein deshalb nicht gut für meine geistige und körperliche Gesundheit gewesen, das durch zu ziehen. Es ist einfach meine Überzeugung, dass zum Jahresende die Mühlräder still stehen und nicht auch noch künstlich hochgefahren werden sollten. 

Einerseits lebt die Natur uns das schon vor. Die Welt liegt um Jul im tiefsten Winterschlaf. Es gibt glaube ich nicht umsonst die alten Regeln und Überlieferungen davon, dass an diesen 12 oder 13 Tagen und Nächten nicht gearbeitet werden soll. Andererseits macht auch meine innere Uhr das deutlich. Ich will nur noch schlemmen, kuscheln, Kerzenschein und Düfte genießen. Brauche diese Phase, das alte Jahr ausklingen zu lassen. Bilanz zu ziehen. Mich auf mich und unser Leben zu besinnen. Was geschehen ist, was als nächstes kommt, wie es weiter gehen soll. Räuchern, träumen, planen, zwischen den Zeiten und Welten treiben. Kräfte aufladen und sinn-voll nutzen.

Verpflichtungen oder Erledigungen gibt es auch so schon reichlich. Kochen, backen, einkaufen, sauber machen, Gemütlichkeit und einen festlichen Rahmen schaffen. Weihnachtsfeiern, Feste, Märkte, Treffen mit den Lieben. Aber darüber möchte ich selbst entscheiden können. Nur dann kann ich es als sinnlich und schön empfinden. Ein Gefühl aufkommen lassen. Das ist als sehr natürlicher Impuls in uns allen ganz tief verankert. Selbstverständlich hat jeder seine eigenen Zyklen und Rhythmen. Aber diese uralten haben für mich sowas wie eine allgemeingültige Berechtigung.

Insofern darf ich einmal tief durchatmen und froh sein, dass es in diesem Jahr für mich wieder wirklich Rauhnächte gibt. So wie ich sie halt gerne begehe und das für mich zu einem Ritual gemacht habe. Mit einem neuen  Buch zum Thema diesmal wieder, das ich zum letzten Geburtstag geschenkt bekommen habe. Ich bin ja selbst auch ein Rauhnächtle, wie man das so schön nennt. Innerhalb der  12 magischen Nächte das Licht der Welt erblickt.  Vielleicht ist auch deshalb diese Tendenz bei mir besonders ausgeprägt, sie zu zelebrieren. Wobei ich das auch bei den anderen Menschen beobachte. Wenn man sie gewähren lässt und sie keinen äußeren Begrenzungen ausgeliefert sind, dann haben sie alle den Drang um Weihnachten herum zur Ruhe zu kommen. Eine Maschinerie, die genau das Gegenteil verlangt, kann auf Dauer nicht gesund sein. Wie heißt es doch so schön und wahr? Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit angepasst zu sein, an eine kranke Gesellschaft. Punkt.

Aber hier wehen ja nun jetzt auch wieder andere Winde. Letztes Jahr war das alles schon gut und richtig so. Wie soll man sich sonst auf seine Wurzeln besinnen? Erkennen was falsch läuft, was man wirklich braucht? Das merken wir häufig nur dann, wenn wir es anders herum erleben und daraus unsere Schlüsse ziehen können. Letztes Jahr war eine Zeit, wieder ins Außen zu gehen, zurück in die Aktivität. Und das war wirklich wichtig für mich. Jeder Zyklus muss erlebt und durchlaufen werden. So finden wir uns. Im Erleben.

Heute sind die Räuchervorräte wieder aufgefüllt. Ich bediene mich da aus meiner Altar-Kommode und dem Tee-Schrank gleichermaßen. Entscheide nach Themen, Stimmungen, Zielen. Das Büchlein über Rauhnacht-Rituale für Frauen liegt bereit.  In der Nikolaus-Woche will ich mit meiner Freundin Ana Kekse backen, endlich wieder! Das habe ich früher immer so richtig gefeiert. Einen ganzen Tag lang im Marathon, mit Sektchen, voller Kreativität, Freude, Ideen. Geknetet, genascht, verziert, verschenkt. Herrlich. Ich freue mich so sehr darauf! Sicher werde ich auch noch einen Tag bei uns daheim finden.

Aber in der kommenden Woche ist erstmal die Winter- bzw. Weihnachtsdeko dran. Schließlich haben wir am nächsten Sonntag schon den 1. Advent und gleichzeitig auch den Geburtstag meines Mannes. Dafür möchte ich alles fertig haben.  Wie jedes Jahr. Und die ganz weltlichen Pflichten nicht zu vergessen. Arzttermine, Papierkram, Haushalt, Einkäufe. 

Versucht nicht in Stress und Hektik zu geraten, nehmt Euch Zeit. Fühlt in Euch hinein. Was braucht Ihr gerade? Wonach sehnt Ihr Euch? Tee oder Kaffee? Kuchen oder Obst und Nüsse? Meditieren oder spazieren? Buch oder Film? Badewanne oder Couch? Habt Ihr genug Freizeit, um Euch frei zu fühlen? Worauf verwendet Ihr Eure vermeintlich freie Zeit? Mit wem verbringt Ihr sie? Wie würdet Ihr das zukünftig gerne ändern? Was könnt Ihr aktiv dafür tun, Euch wohl zu fühlen? 

 

Freitag, 23. November 2018

Um ganz ehrlich zu sein...

Gestern ging es ja noch wahnsinnig leicht von der Hand. Wie ich in der Morgenstille so alles hier niedergeschrieben hatte. Gute Entscheidung getroffen, sehr vernünftig. Blockaden gefallen. Energien fließen wieder. Das hat auch nach wie vor seine Berechtigung. Aber falls jetzt irgendjemand denken sollte, der das hier gelesen hat: Oh, die Athena ist aber cool. Hat sich überwunden und zieht das jetzt durch, hingegen all ihrer schlimmen Ängste...

Mit Nichten! Ja, ich habe den Weg eingeschlagen und gehe nun auch weiter tapfer in dieser Richtung. Die Würfel sind gefallen. Das wird nicht schön oder einfach, aber es muss sein und ich bin überzeugt es ist DER Weg. Dennoch. Ein paar Stunden später war es um das werte Befinden schon wieder komplett gegenteilig bestellt. Ich hatte mich mit der Thematik auseinander zu setzen. Papierkram mit all dem Zick und Zack. Direkte Konfrontation. Da hat die angeknackste Psyche sich recht herzlich bedankt. Dem bodenlosen Heulkrampf bin ich am späten Nachmittag nur mit knapper Not entkommen.

Heute Morgen ging die Sonne allerdings wieder auf. Was selbstverständlich rein gar nichts an den Tatsachen ändert. Das Licht ist lediglich weicher. Lässt die Dinge schon mal positiver erscheinen. Während die ewige Pessimistin noch friedlich weiter schläft.  

Worauf ich damit hinaus will? Das mag weder auf den ersten Blick wahnsinnig spirituell sein (was auch nicht als permanenter Anspruch für diese Seite ausgerufen ist), noch besonders außergewöhnlich. Aber aufrichtig. Wenn schon eine Geschichte erzählen, dann auch über beide Seiten der Medaille. 

Es geht immer weiter im Leben. Wenn wir uns dafür entscheiden. Was auch nicht jeder tut. Es gibt die guten wie die schlechten Zeiten. Und manchmal auch Durststrecken, von denen wir wissen dass sie endlich sind. Ein Ziel vor Augen ist denke ich wichtig. Ein Zeitrahmen, ein Zeitpunkt, auf den wir hin arbeiten können. Auf Ebbe folgt halt Flut. Egal wo, egal wann, egal wie. Das sind die Gesetze des Lebens und der Natur. So ungern wir das manchmal auch akzeptieren möchten. 

Für diese Zeiten, die scheinbar endlos harten, gibt es die Engel. Die sich wiederum in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen zeigen können. Das sind Deine Katzen, die Dich wieder runter kuscheln. Das kann Dein Mann sein, an dessen starker Schulter Du Dich anlehnen darfst. Oder die offenen Arme und Ohren Deiner Freundinnen, die tröstend da sind, wenn nichts mehr geht. In jeder Lebenslage. Mag sie noch so aussichtslos erscheinen. Natürlich können das auch die feinstofflichen Wesen sein, die wir buchstäblich als Engel bezeichnen. Unsere Begleiter. Familiare, Ahnen, Schutzheilige, Götter und Göttinnen. Feen, Elfen, Krafttiere, Totems und wie sie alle heißen. 

Niemand von uns sollte allein sein. Und aus meiner persönlichen Erfahrung heraus darf ich sagen, dass ich glaube, dass wir es auch niemals wirklich sind.

Donnerstag, 22. November 2018

Stein und Bein

Eigentlich hätte ich so viel zu sagen. Da ist eine Menge, die sich wuselnd heraus drängt. Eine große Blockade ist bereits gefallen und seit gestern abend haben sich mir die Zusammenhänge wie ein Wollknäuel entzerrt. Was mich blockiert hat, das war natürlich ich selbst. Man könnte es auf die Umstände schieben. Und das habe ich bisher getan. Aber wo ich nun einen entscheidenden Schritt gegangen bin, weiß ich es dass der Schlüssel die ganze Zeit in mir selbst gelegen hat.

Kann es so leicht sein? Die Schwelle zu übertreten, die man immer für unbeschreitbar hielt? Schlußendlich ist es so einfach gewesen. Aber wenn es um die eigene Person geht, die eigenen Dämonen und Ängste, dann wiegen die Hemmschuhe nunmal schwer. Den Freunden gute Ratschläge zu erteilen, das ist kein Problem. Zu sehen in welchen Fesseln sie sich selbst verstrickt haben und dass die Lösung doch eigentlich auf der Hand liegt. Doch wenn es Dich selbst betrifft, dann ist da dieser Klotz, der Dich lähmt.

Ich glaube in den letzten Jahren habe ich eine Menge dazu gelernt. Mich deutlich weiter entwickelt. Aber das hört ja tatsächlich nie auf. Die Entwicklung innerhalb der letzten zweiundzwanzig Jahre war ohnehin kein Pappenstiel. Da gab es die ganz großen Sachen, an denen ich hätte zerbrechen können. Und mehr als einmal dachte ich auch, das wäre ich. Aber es ist nicht passiert.

Ein ums andere Mal mußte ich mich selbst überwinden und Entscheidungen treffen, die ich nie für möglich gehalten hätte. Ich dachte sogar den Endgegner hätte ich bereits geschafft. Aber das war sie nicht. Sie war es nie. Ich selbst bin die letzte große Hürde. Der Turm, ja. Der in sich zusammen fällt. Das Kartenhaus aus Selbsttäuschung und vorgefassten Meinungen. Selbst auferlegten Zwängen. Darin sind wir alle ganz stark. Uns festzuklammern und die Augen vor dem Sinn zu verschließen, der hinter jeder Lektion lauert.

Da sind Wut und Verzweiflung, das Hadern mit der eigenen Geschichte. Die Fragen danach, warum es ausgerechnet immer Dich treffen muß. Aber ist das so? Hat nicht jeder von uns sein Päckchen zu tragen? Sein Kreuz? Und ist nicht das schlimmste Urteil, das jemand über Dich und Dein Leben fällen kann, das eigene? Wozu verdammen wir uns jeden Tag? Was halten wir für absolut unerreichbar? Ist es nicht in Wirklichkeit leichter mit dem Strom zu schwimmen, als ständig gegen die Wellen anzustrampeln? 

Eine Kämpferin war ich immer. Und ich habe viele Kriege geführt. Die strategisch schwierigsten wohl in meinem Inneren. Da ist man so stolz über das Erreichte und sieht nicht, was sich direkt hinter den eigenen Augen abspielt. Ja, es gab viele Prüfungen und Steine im Weg. Die habe ich weggerollt, bestanden, überwunden. Mich Mal für Mal auf´s Neue überwunden. Dinge zu tun und mich einzulassen auf Umstände, bei denen es irgendwann nicht mehr anders ging.

Ängste besiegen. Ja, das klingt immer nach Kampf. Die größere Herausforderung ist jedoch das Annehmen und Loslassen. Hinzunehmen wie es ist und damit umzugehen, anstatt unaufhörlich nach anderen Auswegen zu suchen. Manchmal führt der Weg tatsächlich einfach geradeaus. Manches Mal müssen wir auch abbiegen. Jawohl. Den eingeschlagenen Pfad verlassen, weil er nicht mehr der richtige, dienliche ist. Doch oft genug heißt es auch der gewiesenen Richtung zu folgen. Und ich glaube das ist noch schwieriger. Weil das nämlich bedeutet die Kontrolle aufzugeben. Die Zwänge. Das zerreißt mich. Was in meiner eigenen Hand liegt, in meiner vermeintlichen Macht, das fühlt sich gut an. Richtig. Es gibt mir Sicherheit. Was nicht gleichbedeutend ist mit Freiheit. Denn die macht häufig Angst. Nicht nur mir. Ich sehe das auch in meinem inneren Kreis von Menschen. Beobachte wie sie sich quälen und abmühen und dabei selbst Stück für Stück zu Grunde richten. Dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen, dass ich genauso bin. 

Aber ich habe wieder einen großen Meilenstein überwunden. Sogar mehr als einen, ganz aktuell. Die Brocken scheinen beinahe wie von selbst den Abhang hinunter zu rollen. Ich geb ihnen noch Schwung, juhu! Ist das wirklich richtig? Frage ich mich dann. Hast Du die richtige Entscheidung getroffen? Wenn es sich fast mühelos anfühlt macht es oft Angst. Wir denken ständig dass es schon anstrengender sein müßte. Wieso? 

Am Ende blicke ich meist auf die Erfahrungen zurück und muß feststellen, mir eingestehen, dass die Entscheidungen letztlich mit Vertrauen zu tun hatten. Böses Wort. Bleibt mir im Halse stecken. Ist ja auch so eine schlimme Sache, bei der man keine Kontrolle ausüben kann. Vertrauen in andere Menschen. In Dich selbst. In die Umstände, das Leben, Deinen Weg. Grässlich. Doch auch hier kann die Angst ein Wegweiser sein. Wenn Du Dich ein Mal ums andere fragst ob es gut werden wird. Ob es gut werden kann. Vertrauen ist da häufig das Zauberwort. Grübeln bringt nämlich keinen weiter. 

Damit sage ich nicht, dass Du Dich  Hals über Kopf in jedes Wagnis stürzen solltest, ohne vorher die Folgen zu überdenken. Mit Nichten. Abwägen und die möglichen Folgen prüfen ist schon Grundvoraussetzung für jede Entscheidung. Doch wenn das abgeschlossen ist mußt Du wählen. So schlicht ist das. Geht es Dir gut in dieser oder jener Situation? Nein? Dann solltest Du sie ändern. Überlege gut, sei weise. Ob es eine Angelegenheit ist bei der es Dir lediglich an Mut fehlt, sie zu ändern. Oder ob Du tatsächlich die Kraft brauchst sie durchzustehen, weil Du sie nicht ändern kannst. Eigentlich in Worten eine sehr einfache Formel. Die mir sehr früh im Leben bereits begegnet ist. Dennoch hapert es zumeist in der Praxis an der Umsetzung.

Gestehen muß ich jedoch: Ich hab es versucht mit dem Vertrauen. An verschiedenen Stellen. Häufig erst dann, wenn ich kurz vor dem Zusammenbruch stand. Einmal auch, nachdem ich schon längst zusammengebrochen war. Inzwischen beobachte ich, dass es mir etwas leichter von der Hand geht. In einiger Hinsicht ist es  Alltag geworden. Da habe ich mich mit dem Vertrauen arrangiert. Weil ich heute weiß was gut ist und richtig, meinem Gefühl trauen kann. Nicht zuletzt auch weil ich eine prägende Erfahrung meines Lebens bis ins Kleinste beleuchtet, noch einmal durchlebt und abgearbeitet habe. Vielleicht abgehakt. Das wird sich zeigen. Da war es richtig festzuhalten und nicht aufzugeben. Nicht die Flucht anzutreten aus Angst.

In anderen Situationen mußte ich meinem Körper vertrauen. Der mir zuverlässig zeigte wenn mir etwas in meinem Alltag nicht mehr gut tat. Anfangs hat es Jahre gedauert, bis ich in der Lage war mir einzugestehen dass die Waage gekippt war und an der Zeit, meine Komfortzone zu verlassen. Im aktuellen Lebensabschnitt ist mir das wieder begegnet und nach einigem Für und Wider war klar, dass es erneut an der Zeit ist weiter zu ziehen. Aus verschiedenen Gründen, sicherlich. 

Dann gibt es da noch die Angst vor der Zukunft. Wie soll man bitte auf sowas wie Zukunft vertrauen? Auf glückliche Umstände und Fügung. Vielleicht weil ich es, wenn ich zurück blicke und ehrlich bin, schon häufig erlebt habe? Nun, das ist als Gradmesser für mich zu wage. Dennoch. Wieder wurde ich "gezwungen". Wenn auch nicht von meinem Körper. Wobei auch der  in letzter Instanz es getan hätte. Was ich daran sehe, wie frei meine Energien heute wieder fließen. Heute ganz frisch, am Tag nach dem entscheidenden Schritt.

Meine damalige Therapeutin hat vor Jahren mal zu mir gesagt, am Ende unserer Zeit, dass ich ein Buch schreiben könnte. Es tun sollte. Um anderen Menschen, vor allem Frauen, zu zeigen dass man aus jedem Loch wieder heraus klettern kann. Dass unser Leben nicht fremdbestimmt ist. Dass wir es nicht zulassen dürfen an den Umständen und Prägungen zu zerbrechen. Damit fasste sie unbewußt den Traum auf, den ich hege seit ich ein kleines Mädchen war. "Natürlich" geht das nicht. Kann ich das nicht. Ich wüßte auch gar nicht wie. Aber sie hat mich auf eine entscheidende Idee gebracht. Denn da waren tatsächlich Stationen in meinem Leben und einige dauern noch an, von denen ich nicht nur glaube, sondern weiß dass andere Menschen sie ebenfalls erleben. Dass man es schaffen kann. Dass man auch einmal falsche Entscheidungen darf. Dass Scheitern nicht das Ende ist.

Scham ist ist hier ein großes Thema. Abgesehen davon dass ich wirklich keinen blassen Schimmer habe wie man ein Buch schreibt. Ich hätte auch einfach keine Zeit. Und stelle darüber hinaus fest  dass es Mut bräuchte diese Hüllen fallen zu lassen. Zu erzählen wie es war. Über Beweggründe zu sprechen. Über Gefühle. Ohne um den heißen Brei herum zu reden, sondern handfest die Themen in Angriff zu nehmen. Tatsachen zu schildern. Aufzudecken wie es sich anfühlt, wenn man von der eigenen Familie verraten wird z. B. Wie man sein Leben meistern kann, auch wenn der Start nicht gewesen ist, wie er sein sollte. Oder wie man wieder hoch kommt, wenn man einmal tief gefallen ist.

Aber genug davon. Was ich heute morgen eigentlich nur sagen wollte, war: Nichts ist in Stein gemeißelt. Dinge ändern sich. Kräfte ebben ab und branden dann mit voller Macht wieder heran. Das Leben verläuft nicht gradlinig. Sondern in Wellen, Rhythmen und Spiralen. Ja, es ist ein Kreislauf. Kein noch so tief verinnerlichter Glaubensgrundsatz, kein noch so festgefahrenes Verhaltensmuster hat scheinbar unabänderliche Gültigkeit. Wir dürfen lernen. Uns verändern. Wir müssen. So wie die Natur mit ihren Jahreszeiten es uns vorlebt. Alles hat seine Zeit. Alles ist Wandel. 

 

Mittwoch, 21. November 2018

Ja, sie lebt noch!

Manchmal kitzelt es mich wirklich in den Fingern. So wie jetzt gerade. Da sitze ich an meinem Laptop, um ein paar Sachen zu erledigen. Ändere noch schnell das Wallpaper auf ein winterliches Thema. Und da kommt wieder dieser Gedanke aus der tiefsten Versenkung... Diese Sehnsucht. Nach diesem Ort, den ich hier hatte und dem Gefühl, das es mir immer gegeben hat, wenn die Worte aus mir heraus fließen durften...

Manchmal in der letzten Zeit ist er wieder aufgeblitzt. Der Mut. Diese funkelnde Idee, dass ich mich hier wieder ansiedeln könnte. Teilzeit vielleicht. Habe ja einiges in meinem Leben darauf umgestellt, dass es nicht unbedingt fulltime sein muß. Aber kann ich das noch? Worüber soll ich schreiben? Traue ich mich? Und wieso stelle ich mir all diese Fragen, wo ich mich doch auf meinem Blog viele Jahre so verdammt zuhause gefühlt habe?!

Selbstverständlich führe ich immer noch (m)ein spirituelles Leben. Lese, fotografiere, habe Spaß mit und an meinen Katzen. Aber habe ich der Welt was zu sagen? Verlernt man das, sich auszudrücken? Oder ist das wie Fahrradfahren? Steigt man nach Jahren einfach wieder in den Sattel und fährt los? Keine Ahnung. Früher war das irgendwie alles nicht so kompliziert. Oder ich war vielleicht nicht so kompliziert. Dabei dachte ich eigentlich damals wäre ich schwieriger gewesen.

Aber wo ich hier jetzt so sitze und tippe, da fühlt es sich wieder so an wie früher. Dieser Zauber der klickenden Tasten. Wie schnell meine Finger doch noch immer über die Tastatur zu fliegen scheinen. Obwohl meine Nägel nicht mehr so lang sind und ich doch schon jahrelang eigentlich gar nicht mehr von Hause aus am Computer arbeite. Das macht mir ein Kribbeln im Bauch. Das hat mich einmal so glücklich gemacht. Es war so erfüllend und hat mir viel gegeben. Und wieso treiben diese Worte mir grad Tränen in die Augen..? Weil ich womöglich dabei bin mich zu erinnern. Wie das war. Wie ich war. Dass ich es konnte. Weil ich mich erinnere... Und weil ich es wieder kann. Weil mich nichts daran hindert.

Ist es möglich dass es Dich wirklich frei macht, wenn Du eine Sache tust, die Du niemals - nie - nie - nie - tun wolltest und es jetzt doch durchziehst? Aus Vernunft...?

Damals war alles irgendwie anders. Ich war vor allem auch komplett anders. Fügen sich jetzt die Teilchen wieder zusammen und ich werde die Alte? Womöglich ein Stück weit mehr wie sie... Ich bin die Alte. Und die Neue. Vielleicht besser als zuvor. Gesünder? Mit mehr Selbstfürsorge? Und mehr Erfahrung? Vielleicht sogar bereit für neue, alte Herausforderungen? Da kommt mir die Jahreskarte für 2018 in den Sinn... Heilung. Das bedeutet so viel. Es umfasst soviel mehr, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Dass es gut wird. Dass es gut werden kann. Auch dass es weh tut. Ein Heilungsprozess ist nie einfach. Aber wichtig. Not-wendig.

Immerhin habe ich gelernt die Reißleine zu ziehen. Auf mich zu achten. Nicht erst dann, wenn es zu spät ist, meine ich. Veränderung. Ja. Das ist ja immer ein Thema. Aktuell grad wieder. Einerseits besinne ich mich zurück auf meine Wurzeln. Lasse das kürzlich erst eroberte Neuland wieder hinter mir. Ohne weinendes Auge. Es ist okay. Bin ich heute abgeklärter? Mutiger? Ein bißchen von beidem, ja. Tatsache.

Ich bin so froh und dankbar dass der Winter endlich da ist. Und ich ihn genießen darf. Die Rauhnächte stehen vor der Tür. Die Räuchervorräte sind aufgestockt. Manchmal rieche ich den Schnee schon und Frost haben wir mittlerweile jede Nacht. Die Temperaturen klettern seit ein paar Tagen nicht mehr über 6 Grad am Tag. Fast kann ich die Plätzchen schon riechen. Sehe mich Backen und ein Festmahl kochen. Bei rotem Sekt und Kerzenschein den Baum schmücken. Im weißen Wunderland spazieren gehen. Göttin, wie sehne ich mich danach. Wie wenig mir der Sommer doch fehlt. Nächstes Jahr kommt ein neuer und das ist schön zu wissen. Für den Augenblick reicht mir die stille Heimeligkeit. Die Festlichkeit. Innenschau und Einkehr. Kuscheldecken, flauschige Socken, warme Bäder und Duftkerzen. Herrlich. Und die kitschigen Weihnachtsfilme erst!

Dieses Jahr war der Sommer sehr intensiv und meine Empfindungen sind es wohl auch. Oder mein Gespür. Emotional war ich schon immer. Lang und heiß hat die Sonne auf uns herab gebrannt. Nun ist es Zeit für die Kälte und mit ihr kommt Ruhe. Entschleunigung. Wie habe ich das gebraucht! Ich bin bereit für neue Ufer. Doch zunächst brauche ich noch meine Atempause. Um die Batterien aufzuladen. Zu verarbeiten und teilweise auch bearbeiten.

Schreiben tu ich ja eigentlich nur noch per Hand, mein Tagebuch. Oder Morgenseiten, wie sich das heute schick nennt. Hat was. Denn in der Regel mach ich das wirklich am liebsten morgens. Wenn die Welt noch nicht ganz wach ist. Bei spärlichem Licht und einer frischen Tasse Kaffee. Dann lasse ich den voran gegangenen Tag Revue passieren. Innerlich wie im Außen. Was ich also gemacht habe und was los gewesen ist. Aber auch wie es sich angefühlt hat. Welche Gedanken ich mir gemacht habe und das alles. Für den neuen Tag ziehe ich dann eine Karte. Jeden Monat verwende ich ein anderes Deck. Um sie alle besser kennenzulernen. Besser zu versehen. Um meine Verbindung zu jedem einzelnen zu vertiefen. Dann schreibe ich meine Gedanken zu der Tageskarte auf. Und am Abend oder eben nächsten Morgen betrachte ich die Ereignisse und Entwicklungen. Schaue wo die Karte sich wie gezeigt hat. Welche Energie sie mit sich bringt. Das ist sehr spannend und sich selbst zu reflektieren fand ich eh immer schon wichtig. Die Stimmung, das Wohlergehen. Einfach was so los ist und vor sich geht. Seit einem Jahr gehört das jetzt zu meiner alltäglichen Praxis in der Form und ich möchte es nicht mehr missen.

Hatte ich ja tatsächlich doch noch was zu erzählen, ich glaub´s ja nicht. Und wer weiß ob mir nicht noch mehr einfällt. Mir schwant da grad was. Wie auch immer. Wenn Ihr das hier gelesen habt könnt Ihr gern nach all der Zeit mal wieder einen Kommentar da lassen. Würde mich riesig freuen. Und auch wenn nicht, lasst es Euch gut gehen. Bis bald... Ja, ich denke ich komme wieder. Wirklich diesmal.