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Donnerstag, 3. Dezember 2020

Fluch oder Segen?

Mit der Hoffnung ist das so eine Sache. Wenn Du in ernster Sorge bist und um das Leben eines geliebten Wesens bangst, sagt immer jeder, dass Du bloß nicht die Hoffnung aufgeben sollst. Grundsätzlich ist es glaube ich auch richtig und wichtig, dass man einen positiven Ausgang visualisiert. Gestern jedoch fragte ich mich plötzlich ernsthaft, ob die neu aufkeimende Hoffnung ein großes Geschenk ist oder vielleicht doch ein schrecklicher Fluch. Wenn Du Dich bis zuletzt an dieser Hoffnung festklammerst und sie dann vielleicht doch enttäuscht wird. Wenn diese Illusion dann in 1000 Teile zersplittert, wie Glas. Das ist grausam. Wenn die Chancen 50/50 stehen, ist nun einmal beides möglich. Was also tun? Nicht, dass wir es wirklich bis zum äußersten kontrollieren könnten. Ich weiß nicht ob das funktioniert.

Was aber wäre die Alternative? Nicht zu lieben? Denn der Preis, den wir für die Liebe zahlen, ist Angst und Trauer. Weil wir zwangsläufig eines Tages diese Liebe verlieren werden. Der Tod wird uns trennen. Unvermeidbar. Zumindest in diesem Leben. Aber ich sage, dass es das wert ist. Wirklich zu lieben bedeutet so viel und ist so groß, es ist jede Träne und jeden Schmerz wert.

Wir stecken gerade in so einer Situation. Die meisten hier dürften wissen, dass wir drei Katzen haben, die für uns einfach wortwörtlich unsere Kinder sind. Zwei Jungs und ein Mädel, genauer gesagt. Alle drei stammen gebürtig aus dem Ausland und wurden uns über den Tierschutz vermittelt. Unser ältester heißt Lucky. Er kam Anfang 2008 zu uns, als wir Gizzmoh gerade ganz frisch nach langer, furchtbarer Krankheit verloren hatten.

Sein Name ist buchstäblich Programm. Er war unser Glücksbringer. Er hat uns alle auf viele Arten gerettet und geholfen, diesen kaum erträglichen Verlust zu verschmerzen. Er brachte das Lächeln zurück zu uns nach Hause. Und er hatte selber Glück gehabt. Lucky wurde durch die spanischen Straßen streunend gefunden, an dem Tag, als Gizzmoh zum letzten Mal in die Klink eingeliefert wurde. Er suchte ein liebevolles Zuhause und wir hatten viel zu geben. Gizzmohs Lebensgefährtin, Shiva, hatte ihr ganzes Leben an dessen Seite verbracht und befand sich ebenfalls in tiefer Trauer. Es ging ihr nicht gut. Keinem von uns ging es gut. Aber dann fanden wir Lucky. Oder das Schicksal fand uns für ihn. Und auf leisen, samtigen Sohlen schlich sich wieder Lebensfreude bei uns ein.

So genau kann bei einem Findelkind natürlich niemand sagen, wie alt es ist. Damals wurde er auf ca. 1 - 2 Jahre geschätzt. Er war also schon ausgewachsen. Aktuell ist Lucky somit mindestens 13 Jahre alt, möglicher Weise aber auch schon älter. Er war schon immer häufig krank, kein überragender Esser und ziemlich dünn. Ständig erkältete er sich, bekam Schnupfen, Husten und Halsentzündungen. Durchzug oder Winterkälte kann er gar nicht vertragen. Alles unter zwanzig Grad ist für ihn quasi zu kalt. Da muss man gerade im Herbst und Winter ganz besonders aufpassen, dass bloß in seiner Nähe nicht die Fenster zu lange offen stehen.

Durch die Fußbodenheizung ist unsere Wohnung in der dunklen Jahreshälfte muckelig warm, gelinde ausgedrückt. Manchmal eher wie Sauna. Aber wenn man sie einen Tacken zu weit herunter regelt, schaltet sie ab und es wird erstmal eisig. Außerdem lieben Katzen warme Böden und genießen es sehr, sich darauf herum zu aalen. Allerdings hat auch dies seine Tücken. Die Luft ist trotz (neu angeschafftem) Zimmerbrunnen und diversen, in den Räumen verteilten Wasserschälchen, ziemlich trocken. Was wiederum für die Schleimhäute auch nicht  gut ist und Infekte begünstigt. 

In den letzten Wochen war Lucky mal wieder mehrfach krank gewesen. Kehlkopfentzündung, tränende Augen, die sich entzündet hatten, Nießattacken. Was vor ungefähr einem Monat zum ersten Mal echte Angst in mir auslöste war, dass er plötzlich eines späten Abends offensichtlich sehr schlecht Luft bekam. Sein Atem ging laut pfeifend, rasselnd und röchelnd. Man konnte sogar an seinem Rumpf dieses Brodeln spüren.

Ich steckte ihn kurzer Hand in seine Katzenbox und ließ ihn über einer Schale mit kochendem Wasser und Meersalz für einige Minuten inhalieren. Das hat er zwar nicht gerne und in die Box zu müssen stresst ihn generell extrem. Aber es half ein wenig und verschaffte uns Zeit, bis wir ihn am nächsten Tag bei unserer Hausärztin vorstellen konnten.

Sie meinte auch, dass es ihn dieses Mal ganz schön erwischt hatte. Er bekam einmal mehr das volle Programm. Antibiotika, Cortison, Aufbaumittelchen. Eine leichte Besserung stellte sich relativ rasch ein und nach ca. einer Woche war er so gut wie beschwerdefrei. Kurz danach kam dann leider die Augenentzündung und der Junge hatte wieder keine Ruhe, musste erneut zur Ärztin. Zweimal am Tag Salbe ins Auge schmieren. Auch dies regte ihn auf, aber es hielt sich in Grenzen.

Am Montagvormittag dieser Woche setzten aus heiterem Himmel die lauten Atemgeräusche wieder ein. Er bekam sichtbar schlecht Luft. Glücklicher Weise konnte ich für den selben Tag einen Termin bei der Ärztin bekommen und mein Mann fuhr mit ihm hin. Es gefiel ihr ganz und gar nicht. Sie konnte ein allergisches Asthma nicht ausschließen und riet uns, ihn am nächsten Tag in die Tierklinik zum Röntgen zu bringen. Was wir natürlich auch taten.

Die Spritzen hatten diesmal kein Stück geholfen und er war in wirklich schlechtem Zustand. Während der Autofahrt, in die ca. eine halbe Stunde entfernte Klinik, machten wir uns ernsthaft Sorgen, dass er ersticken könnte. Immer wieder hielt ich ihm dieses JHP Minzöl unter die Nase. Nicht die erste Wahl bei Katzen, das weiß ich. Aber für einen Moment schien er dann jedes Mal besser Luft holen zu können.

Wir waren uns die ganze Zeit über nicht wirklich sicher, ob er nun durch die Nase nicht atmen konnte oder zusätzlich auch nicht durch den Mund. Katzen sind das nicht gewöhnt, weswegen ihm das Fressen da schon schwer fiel. 

Die Röntgenaufnahme ließ dann auch auf eine Bronchitis schließen. Um allerdings die Ursachen zu erforschen musste ein Blutbild her. Es bestand die Möglichkeit, dass er an einem der drei lebensgefährlichen Katzenviren erkrankt sein könnte und dann hätten Salem und Snowhy auch direkt behandelt werden müssen. Die Blutabnahme konnte allerdings nicht durchgeführt werden, da er vor lauter Angst und Panik und Stress bei dem Versuch bereits beinahe erstickt wäre. Die Ärzte haben dann abgebrochen und vorgeschlagen, ihn über Nacht da zu behalten. Wir wollten ihn erst nicht dort alleine lassen und lieber am nächsten Morgen wieder hin fahren, um ihn dann unter eine leichte Narkose setzen zu lassen. Allerdings ging es ihm so rapide schlecht, dass wir ihn freiwillig wieder dem Arzt übergaben.

Gestern Morgen dann gelang die Blutuntersuchung. Es steckt schon mal keine der befürchteten, lebensgefährlichen Katzenvirusinfektionen dahinter. So viel wissen wir jetzt. Mehr aber auch nicht.

Es war übrigens der Geburtstag meines Mannes. Vielleicht könnt Ihr Euch vorstellen, was für ein bescheidener Tag das diesmal war. Immerhin ist uns spätestens seit dem Besuch in der Klinik klar, dass diese Geschichte womöglich nicht gut ausgehen wird. Zum Glück hatten wir frei.  Auf die Arbeit hätte ich mich nur schlecht konzentrieren können. Wir halten zusammen, geben uns gegenseitig Halt und Trost. Machen das Beste aus der Situation. Haben leckeres Essen bestellt und den ganzen Tag Weihnachtsfilme geguckt. Das tat gut. Ich fühle mich nämlich so erschöpft, als hätte ich tagelang nicht geschlafen. 

Nach einem längeren Telefonat mit einem der behandelnden Ärzte schöpften wir jedoch besagte neue Hoffnung. Wir wollen und hoffen und glauben, dass unser Lucky gerettet werden kann. Aber wir werden ihn auch nicht quälen, weil wir nicht loslassen können. Denn wir wissen, wie sich das anfühlt. So ist es nämlich bei Gizzmoh gelaufen. Ich kann und werde hier nicht ins Detail gehen. Aber ich sage gerne so viel, dass wir Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hätten, um ihn zu retten. Um jeden Preis. Wir nahmen Wochen und Monate voller Schmerz und Leid für ihn in Kauf, weil wir Hoffnung hatten. Versteht Ihr? Untersuchungen, Operationen, Klinikaufenthalte und so viel Morphium, dass er uns am Ende kaum noch erkannte. Wir haben das getan, weil wir ihn liebten. Wir lieben ihn noch heute. Aber gerade weil wir Lucky lieben, werden wir ihm so etwas nicht antun. 

Das Ziel muss also sein, dass sein Gesundheitszustand erhalten werden kann und gleichzeitig auch seine Lebensqualität. Wir werden ihn nicht jeden Tag seines Lebens Angst und Stress und Schmerzen aussetzen. Er ist sehr sehr ängstlich und sehr sehr empfindlich. Das müssen wir berücksichtigen. Das sind wir ihm schuldig. Also treffen wir unsere Entscheidungen diesmal für ihn. In seinem Sinne. So gut wir eben können.

Aber wir werden ihn auch nicht aufgeben, so lange wir keine Gewissheit in die eine oder andere Richtung haben. Also wird morgen früh eine Untersuchung an ihm vorgenommen, die sich "Lavage" nennt. Dafür wird er in Narkose versetzt, was an sich schon in seinem Zustand ein großes Risiko darstellt. Sein Herz ist stark, ein Kämpferherz. Aber seine Atemorgane sind momentan eben stark beeinträchtigt. Hoffen wir das Beste!

Bei dieser Lungenspülung jedenfalls wird eine Flüssigkeit in die Bronchien geleitet und hinterher wieder aufgefangen. Die Sekrete können so auf verschiedene Viren, Keime, Bakterien und Erreger getestet werden. Vor allem ermöglicht dies die folgende Unterscheidung: Ob wir es mit einem chronischen bzw. allergischen Asthma zu tun haben (was sehr sehr schlecht und quasi unmöglich bei ihm zu behandeln wäre) oder mit einer bakteriellen Infektion. Eine solche, selbst wenn sie sehr stark ist, könnte mit großer Wahrscheinlichkeit durch eine hoch dosierte Antibiose, über einen Zeitraum von mehreren Wochen behandelt und ausgeheilt werden. Wenn die Ärzte genau wissen, mit welchem Erreger sie es zu tun haben, wissen sie auch welches Antibiotikum hilft. Wenn man es nicht mit einem resistenten Keim zu tun hat...

Also haben wir eine 50/50 Chance. Die Untersuchungsergebnisse sollten uns Anfang nächster Woche vorliegen. Bis dahin darf Lucky, wenn er die Narkose und die Untersuchung gut übersteht, morgen hoffentlich wieder mit zu uns nach Hause. Er bekäme dann ein noch nicht gezieltes Antibiotikum und Cortison, bis die Resultate bekannt sind. Wünscht uns Glück. Wünscht ihm Glück.


Dienstag, 7. April 2020

Im Wald ist die Welt noch in Ordnung

Wenn ich merke, dass ich mich nicht mehr konzentrieren kann, die Motivation sich nicht einstellen mag oder einfach alles zu viel wird, dann zieht es mich nach draußen. Am liebsten würde ich in diesen Momenten alles stehen und liegen lassen. Einfach die Laufschuhe überstreifen, das Handy (meine Musik) schnappen und raus rennen. 

Gerade jetzt im Frühling ist es besonders intensiv. Nach der langen dunklen Jahreszeit beobachten, riechen und fühlen zu können wie das Leben in die Natur zurück kehrt, das ist überwältigend. Jedes Mal entdecke ich mehr Grün. Die Sonne scheint auf mich herab und im Wechsel mit dem Schattenspiel kommt es mir vor als wäre ich in einer ganz anderen Welt. Unter meinen Füßen abwechselnd weiches Moos, staubiger Sand, fest getretene Erde, harte Stöcke und Steine, Kuhlen und Hügel. Dann fühle ich mich selbst lebendig.


Wer mit offenen Augen durch Wald und Wiesen streift, der wird viel entdecken und mitnehmen dürfen. Neuerdings begleiten mich Schmetterlinge auf meinem Weg, schweben mir voraus, flattern fröhlich bunt an mir vorüber. Gestern trudelten viele Hummeln herum. Auch Rehen begegne ich in der letzten Zeit häufiger. Vor Kurzem habe ich sogar das erste Mal überhaupt in freier Wildbahn einen Fuchs gesehen. Wie ein Kind habe ich gestaunt, es war so aufregend. Sicherlich war der alte Hühnerdieb auf der Suche nach Beute. Ein wunderschönes Erlebnis, von dem ich noch Stunden und Tage zehren konnte. Insbesondere weil die Füchsin seit einigen Jahren zu meinen persönlichen Krafttieren zählt. Sie ist schlau und anpassungsfähig, nimmt sich was  sie braucht.  Sie beobachtet, bevor sie handelt und verlässt sich auf ihr feines Gespür. Eine trickreiche Diva, verspielt und doch stets auf der Hut. Für ihre Jungen gibt sie alles. Ich liebe Füchse.


Mein Herz schlägt höher und richtig schnell in solchen Momenten. Abgesehen vom Puls, der ohnehin schon durch das Laufen beschleunigt ist, meine ich. Nach einigen Minuten komme ich in einen Flow, wird mein Kopf ganz leer - im positiven Sinne und ich fühle mich frei. Gereinigt, unbeschwert. Die körperliche Anstrengung, mein Atem, der Meter vor mir, die Welt um mich herum. Alles löst sich auf und verschmilzt gleichzeitig. Ich werde eins mit mir selbst und dem Leben, in dessen pulsierender Mitte ich unterwegs bin. Sorgen, Pflichten, Abgabetermine sind für eine Weile vollkommen vergessen. Dann kann ich endlich einmal wirklich loslassen. Die ganze Last fällt ab.

Nicht umsonst kam der Begriff des Waldbadens vor einer Weile auch hier zu Lande in Mode. Spazieren am Strand, Wandern in den Bergen, Gassigehen mit dem Hund in heimischen Feldern, Schwimmen im kalten See. Egal wo oder wie wir die Natur unmittelbar erleben; wenn wir tief darin eintauchen wird deutlich, wie stark wir in ihr verankert sind und wo unsere wahren Wurzeln liegen. Wir sagen, dass wir uns die Gedanken mal ordentlich durchpusten lassen müssen und da ist was dran. Nichts sortiert das Getümmel in meinem Kopf so gut, wie eine Stunde da draußen. Es ist die Kombination von Auspowern und Freiluft. Sechzig Minuten auf dem Laufband im Fitnessstudio tun mir auch gut. Aber es ist nicht dasselbe.

Vor mir im Regal in meinem Homeoffice steht ein Schwarz-Weiß-Foto. Meine Freundin D. hat es im Wald aufgenommen, gerahmt und mir zum letzen Geburtstag geschenkt. Es zeigt einfach nur wie die Sonne durch die Baumwipfel fällt und den schattigen, dicht bewachsenen Boden. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger. Wenn meine Augen dorthin wandern, dann verspüre ich einen Sog. Der Anblick fesselt mich sofort. Ein sehr ursprünglicher Teil in mir wird angesprochen, der auf die Wälder reagiert. D. meinte, dass es sie an jenes Bild erinnert hätte, das bei uns im Schlafzimmer über dem Bett hängt. Ebenfalls eine Schwarz-Weiß-Aufnahme. Ebenfalls vom Wald. Mich erinnert es auch daran.

Dazu gibt es eine Geschichte. Jahrelang blieb besagte Wand über unserem Bett kahl und leer. Was mich störte. Meinen Mann nicht. Ich wollte etwas Besonderes dort hängen haben. Allerdings wusste ich nicht wirklich was für ein Motiv es eigentlich sein sollte. Es passierte ewig nichts. Eines Tages, ich hatte den Gedanken an ein Bild für diese große Wand schon beinahe aufgegeben, waren wir in einem Möbelhaus unterwegs. Aus einem ganz anderen Grund. Als wir jedenfalls alles beisammen hatten und in Richtung Kasse wollten, sah ich diese lange, horizontale Leinwand in der Ausstellung hängen. Und es war sofort um mich geschehen. Ich stand da und war ganz gefesselt. Ich verspürte eben jenen Sog. Ein Gefühl, eine Erinnerung, ein leiser Ruf in meinem Herzen. Da wusste ich, dass ich gefunden hatte, worunter ich abends einschlafen wollte. Wir nahmen es mit, hängten es auf und ich sagte: Dieses Bild gibt mir Frieden. Ich nenne es meinen Märchenwald, Zauberwald, magischen Wald. Dort herrscht auf immer Nebel. In meinen Träumen bin ich nachts schon häufig hindurch gewandelt. Habe ihn als Vorlage für Meditationen genutzt. 

Wälder üben seit je her eine starke Faszination und Anziehung auf die Menschen aus. Sie sind wild und ursprünglich, man kann sich in ihnen verirren. Überall huschen vor den Blicken verborgene Tiere und es herrscht ein unverwechselbarer, charakteristischer Duft, wie sonst nirgends. In so gut wie jedem alt überlieferten Märchen spielt der Wald eine zentrale Rolle. Ein Ort für Initiationen und Heldenreisen, um den eigenen Schatten, lauernden Gefahren und Gespenstern zu begegnen. Als bedrohlich galten die Wälder, nur die Mutigsten trieben sich dort herum oder die Seltsamen, Unangepassten. Wer genau hinschaut, der sieht noch heute in die lächelnden Gesichter von Baumgeistern, entdeckt Feenkreise aus Pilzen, Steinen oder Blumen und dieses kräftige, ewig währende, ausdrucksstarke, übermächtige, heilkräftige Grün. 

Wir finden besondere Geschenke auf einer kleinen Pilgerreise durch den Wald. Kraftgegenstände, Talismane. Wer bittet, dem wird gegeben werden. In den ersten Wochen der Corona-Krise, als die Angst mich völlig schockstarr machte, hielt ich mich fest an diesem Mantra: Please guide me, please lead me, please show me the way. Ich ging mit so vielen Fragen da hinaus und kam mit einfachen, aber eindrücklichen Antworten zurück: Mit Signalen und Wegweisern der Hoffnung. So fand ich zu meinen Füßen ein Hölzchen in der Form der Rune Algiz, die mir persönlich sehr viel bedeutet. Was für ein ausführliches Statement das war! Ein überaus mächtiges Symbol, das seit Alters her mit Schutz in Verbindung gebracht wird. Sogar dafür einsteht, wie kaum ein anderes Schriftzeichen. Auch für mich bedeutet Algiz absoluten Schutz. Aber darüber hinaus noch so viel mehr. Algiz macht Mut. Es bedeutet ganz und gar im Augenblick präsent zu sein. Fest mit den Beinen auf dem Boden der Tatsachen zu stehen und den Kopf hoch aufgerichtet zu den Wolken. Denn nur wenn man voll da ist und die Gesamtsituation klar überblicken kann, ist man wirklich handlungsfähig und in der Lage, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Nur wer ganz in seiner Mitte ruht und versteht, was vor sich geht, kann sich schützen. Deshalb ist Algiz eine Rune der Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Sie sagt: Du bist sicher und geschützt. Passe Du  gut auf Dich auf und gib auf Dich selber acht. Sieh genau hin, was vor sich geht. Algiz ist mächtig. Du hast Macht. Du kannst Einfluss nehmen. Du kannst einwirken. Steh aufrecht. Sei stark. Sieh den Tatsachen ins Gesicht. Schütze Dich selbst, dann schütze ich Dich. Dann bist Du geschützt.


Ich probierte von diesem Tag an bei jedem Lauf einen anderen Weg aus. Lief keine zweimal hintereinander dieselbe Strecke. Ich wollte etwas Neues entdecken. In der Bemühung um Orientierung, um mich nicht zu verirren, fand ich zu mir und gelangte immer wieder sicher ans Ziel. Ich sah noch unzählige Algiz aus Stöckchen und Rinde. Die meisten von ihnen waren viel detailgetreuer gewesen als mein erstes. Aber dieses eine, das habe ich behalten. Ich bückte mich und hob es auf. Seitdem steht es bei meiner Kraftkerze auf dem Hausaltar. Als Wegweiser. Als Erinnerung an mich, dass ich mich nicht verlaufen werde. Dass ich begleitet bin und geführt. Dass ich es schaffen werde. Vielleicht auf Umwegen und unvorhergesehenen Pfaden. Aber wenn ich den Mut nicht verliere, gut aufpasse und meinem Instinkt folge, dann werde ich nicht fehl gehen. Dann komme ich wieder an und am Ende wird es gut. Und wenn es nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende, wie die Silberweide immer so schön sagt.

Seit her jedenfalls weiß ich, wenn ich da draußen unterwegs bin und einmal mehr eine neue Abzweigung wähle, da plötzlich irgendwo ein Algiz liegt oder auch mehrere hintereinander, dass ich dieser Strecke ruhig weiter folgen kann. Weil sie mich letztlich wieder sicher nach Hause führen wird. Darauf kann ich mich verlassen. So hat der Wald mich seine eigene Lektion in Vertrauen gelehrt.

Es gibt auch einen Weg heraus aus dieser Krise. Vielleicht habe ich das im Wald begriffen. Vielleicht auch als ich durchs Fenster oder vom Balkon aus das niedliche Eichhörnchen im Garten der Nachbarin beobachtete. Denn das erinnert  mich ebenfalls an etwas. Das possierliche Tierchen hat seine ganz eigene Weisheit. Wie es sich ungestüm und lebenslustig von einem Ast zum anderen wieselt, um in der Tanne neben der Hütte genüsslich irgendwelche Zapfen zu mampfen. Es sagt: Sei flink und sorge vor. Sorge gut für Dich. Aber sorge Dich nicht. Handle einfach vorausschauend. Springe von Gelegenheit zu Gelegenheit, von Tag zu Tag. Du wirst immer wieder Halt finden. Wirst Gaben und Geschenke entdecken. Vielleicht musst Du Dich ein wenig anstrengen, beweglich und flexibel bleiben. Aber Du kommst schon durch. Bleibe wendig, bleibe lebendig. Es mag seine Zeit brauchen und nur in kleinen Schritten voran gehen, aber es geht immer weiter.


Mittwoch, 15. Juni 2016

Von Wolken, Engeln, Sternen und der Regenbogenbrücke...

von facebook kopiert

Gestern morgen um 8.00h kam die Nachricht: Prince hat seinen Kampf verloren. Es fällt mir schwer zu beschreiben welche Gefühle das in mir auslöst. Dass er nie die Chance auf ein glückliches Leben hatte, auf Liebe und Wärme und ein Zuhause. 300g hat der Knirps gewogen, das muß man sich mal vorstellen, wie winzig und zart er noch war. So zerbrechlich und dennoch so ein Kämpfer. Am Ende waren die Schmerzen zu groß und die Barrieren unüberwindbar. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass als er gehen mußte 2500 Menschen bei ihm waren. Als er auf diese Welt kam hat sich niemand für ihn interessiert, er war "nur ein Straßenkätzchen". Gestern haben viele viele mit mir gemeinsam um ihn geweint. Und da waren diese wunderbaren Ärzte, die ihn nicht aufgeben wollten und konnten, die alles in ihrer Macht stehende getan haben, um ihn zu retten. Ich will glauben und hoffen, dass er das weiß. Dass er es fühlen und sogar sehen, dass er es spüren konnte. Ich habe mich von ihm verabschiedet, auf meine Weise und sogar eine Antwort erhalten. Als ich zum Fenster hinaus sah, da war er in den Wolken. Ich habe ihn deutlich gesehen und ein Lied im Kopf gehabt. Das hatte ich schon morgens gehört, als ich die Nachricht las... Ich bin unendlich traurig. Aber ich weiß, dass Du weiter lebst, Little Prince und dass Du irgendwo da draußen bist, bei den Göttern, den Engeln und den Sternen...


Auch der schwer erkrankte Kater einer Instagram-Bekannten hat es leider nicht geschafft. Link wird schmerzlich vermisst werden. Aber er wurde geliebt und hatte ein denkbar schönes Leben. Hinter der Brücke dort drüben seht Ihr Euch alle wieder. Grüßt mir Charly, Gizzmoh und Shiva...

Der Stimmung entsprechend donnert und grummelt und regnet es so gut wie die ganze Zeit. Vorhin kam auch ganz plötzlich und kurz die Sonne raus, da kommt man sich manchmal echt vor wie im April.

 
Aber selbst heute gibt es auch wieder gute Nachrichten. > Luana < hat ihre OP gut überstanden. Natürlich ist sie noch ziemlich angeschlagen und k.o., aber vermutlich darf sie sogar schon sehr bald wieder nach hause.

 
Ich bin von Herzen froh dass es meinem Mann von Tag zu Tag in kleinen Schritten immer besser geht und dass wir unsere Mieze-Schätze bei uns haben. Alle weitest gehend gesund, toi toi toi! Wir nutzen die zwangsweise Ruhepause ganz gemütlich und relaxed. Auf der Couch bei Filmen, EM und leckerem, frischem Essen.

Mittwoch, 8. Juni 2016

Die Ausflugs-Saison ist eingeläutet

Am Wochenende war mein Mann mit seinen Fußballjungs zur Abschlußfahrt und ich meines Zeichens folglich Strohwitwe von Freitag bis Sonntag. Insofern war bereits schon ziemlich früh in diesem Jahr geplant worden, dass wir diese Zeit bei mir zuhause für uns nutzen könnten. Also die Mädelsgang und ich. Samstag vormittag stand ich somit bei anhaltend sommerlichtstem Wetter (die üblen Gewitter zwischendurch lassen wir mal getrost bei Seite) in luftiger Klammotte parat. > Ash < und > Trish < sammelten mich gegen  elf glaub ich zum späten Frühstück bei Ana ein. Welches mal wieder üppig wie köstlich ausgefallen war, klarer Fall. Danach wurde auch gar nicht lang rum gelungert, sondern wir hatten entschieden einen Rosengarten mit keltischem Cafe und englischem Laden hinter der holländischen Grenze zu besuchen. Von Ana aus war das nur eine viertel Stunde Fahrt, wirklich angenehm.

Rosenhaege Living Gardens. Wie der Name schon verrät wird einem Fan der Königin unter den Blumen dort keinesfalls zu viel versprochen. Es gibt eine riesige Auswahl an Rosenstöcken, die zum Einzelpreis von 25€ erstanden werden können. Für Gartenfreunde ein unbedingt empfehlenswertes Ausflugsziel. Alles ist sehr liebevoll und hübsch dekoriert, es gibt sogar einen großen Schaugarten, für den man allerdings 5€ Eintritt pro Person zahlen müßte. Da es jedoch so heiß war und auch keine von uns ihre Camera dabei hatte, haben wir darauf verzichtet. 


Statt dessen entschieden wir uns für einen kleinen Einkaufsbummel in dem schattigen, altmodischen, urigen englischen Laden. Was es dort nicht alles zu kaufen gab! Also wir hatten definitiv unseren Spaß, das kann ich Euch versichern. Insbesondere als wir die Hüte-Ecke entdeckten, da war es um uns geschehen. Wir machten einen Aufrieb wie bei Pretty Woman, gibbelten und kicherten und probierten herum. Tatsächlich entschied sich schluß endlich jede von uns Grazien für ein Modell - und was die Selfiemotivation anging war der Tag damit gerettet.








Ja, wir waren Selfie-Gangster und ja, ich bin ganz entzückt von meinem Hut! :D Das letzte Mal, dass ich einen hatte ist glaub ich schon fast neun Jahre her und war damals ebenfalls einer aus Stroh. Den hatte ich mir für einen Urlaub in der DomRep angeschafft. 

Wie auch immer. Nach soviel Shopping-Wut mußten wir uns erstmal auf der Terrasse des Cafes bei Eiskaffee und anderen Köstlichkeiten ausruhen. Da Ana leider ganz böse von Ameisen attackiert wurde, dauerte der Spaß allerdings nicht allzu lang und wir brachen auf Richtung Heimat. Bei Ana zuhaus quatschten wir noch eine Weile und gingen dann am späten Nachmittag gemeinsam für den Abend einkaufen. Auf dem EDEKA-Parkplatz verabschiedeten wir uns anschließend von Ana, die den Abend mit ihrem Mann verbrachte. Zu dritt ging´s somit weiter zu mir und den Miezen. Dort wurde ausgiebig gegrillt und geschlemmt, da das Wetter uns tatsächlich weiter hold geblieben war. Wir quatschten und tranken bis nachts um drei, dann fielen wir alle von dem langen und erfüllten Tag in die Betten.


Nach nur wenigen Stunden Schlaf trieb es uns bereits wieder raus aus den Federn. Es war am frühen Morgen bereits so warm, dass wir beschlossen uns direkt raus auf die Terrasse zu setzen. Ash buk herrliche frische Brötchen (sogar welche mit Käse - kreisch!) und davon freundlicher Weise genügend, dass mein Mann und ich bis zum nächsten Tag noch reichlich davon hatten. 

Bei zunehmender Hitze ratschten wir draußen und ließen es uns gut gehen, bis die Mädels gegen drei am nachmittag die Heimreise antraten. Ich hatte noch ein wenig Gelegenheit zum Aufräumen und Saubermachen, dann kehrte auch mein Liebster zurück und die heimische Ordnung war wieder hergestellt. Ein wunderbares Wochenende mal wieder mit viel Spaß, guten Gesprächen und leckerem Essen. Ich freue mich auf´s nächste Treffen!

Gestern ging´s dann gleich munter weiter. Wir hatten klein Lenny von unseren Friends den ganzen Tag gesittet und da mußte natürlich ein wenig Unterhaltungsprogramm her. Es war bis zum Nachmittag, wo es nur noch schepperte und knallte nach wie vor herrlich sonnig und warm. Also entschieden wir uns für einen Ausflug zum Frankenhof Wildpark in Reken. Wir selber waren vorher noch nie dort gewesen, obwohl das gar nicht weit von uns weg gelegen ist. Gleich zu Anfang waren wir positiv überrascht. Die Eintrittspreise betragen weniger als die Hälfte der bekannten Zoos und sind wirklich gut vertretbar. Die Gehege der Tiere finde ich persönlich sehr liebevoll gestaltet und hatte auch häufig den Eindruck, dass sie teilweise größer waren als die im Burgers Zoo. Jetzt muß ich allerdings auch dazu sagen dass es dort keine Exoten gibt. Aber von jeder Menge verschiedener Eulenarten, über Raben, Luchse, Rehe, Schweine, Ziegen, Bisons, etlicher anderer Vögel, bis hin zu sogar Wölfen und Elchen ist dort Gott weiß was nicht alles zu finden. 



Adelheid :)


Ein wunderschönes Kolk-Raben-Pärchen haben sie dort.
Ich nannte sie Hugin und Munin.


Sehr viel Lehrreiches dort, nicht nur für die Kinder.
Aber insbesondere natürlich. Es gibt sogar eine Tast-Schule,
zum Berühren von Geweihen und anderen Dingen oder Oberflächen.
Auch den Märchenwald hätte ich sehr gerne noch gesehen,
doch das Wetter hatte leider später noch andere Pläne mit uns.

     
Sie (?) hatte gerade zu Mittag gegessen :)


Durch den Zaun war es natürlich teilweise schwierig,
vernünftige Fotos zu schießen.


Ganz ganz große Liebe <3
Bei all der Schönheit ergreift mich doch immer Wehmut.
Sie sollten frei sein und ihr Leben mit dem Wind unter den Flügeln
genießen dürfen...
Ich war schon zufriedener als ich las und hörte, dass in regelmäßigen
Abständen Flugshows mit ihnen auf dem Gelände des Parks abehalten werden.
Können sie sich wenigstens mal ein wenig austoben.

    
Meister Adebar samt Nachwuchs. Da geht mir das Herz auf, ganz weit.




Kleine Ziiiieegen! *-* Das war natürlich was für mich!


Selbstverständlich war nicht nur Lenny im Streichelzoo gewesen,
sondern ich auch =) Es war sooo toll!
Natürlich hat der dickste Bock sich das ganze Futter geholt.
Wie der mich angesprungen ist, Hammer. War nicht schlimm,
auf keinen Fall, aber er hat mich schon ganz schön bedrängt, haha.
Und wie die sich da ständig alle gekloppt haben, mit ihren Hörnern 
gegeneinander. Wahnsinn! Und diese Sounds! Die meckern ja nicht nur.
Ich war das letzte Mal selber als Kind so nah dran gewesen.
Aber ich hatte nicht weniger Spaß als die Kids!      


Mein Männe ging dafür mit auf die riesige Rutsche.
Das hat sicher auch Fun gebracht.
Aber davon hab ich dann doch lieber Abstand gehalten.

 
Man muß schon sagen dass gerade für Kinder dort sehr viel geboten wird.
Ich betone gerne noch einmal dass ich diesen Wildpark dem
Burgers Zoo jederzeit vorziehen würde. Allein schon vom Gefühl her.
Da steckte irgendwie mehr Liebe drin, so kam mir das rüber.
Und was die Familientauglichkeit angeht, wirklich top!
Grillplätze und Picknick-Möglichkeiten, jede Menge super spektakuläre
Spielgeräte, Bollerwagen-Verleih, echt Wahnsinn.
Nur das Essen kann ich leider echt nicht empfehlen.
Mein Mann hatte Nudeln Bolognese und ich Bockwürstchen mit Kartoffelsalat.
Der schmeckte so chemisch und stammte so eindeutig aus dem Fertig-Eimer,
wie es überhaupt nur geht. Die frisch gebackenen Waffeln hingegen 
waren der Hit.   


Die Wasser-Attraktionen (Piratenschiff & Co.) waren bei der gestrigen
Witterung ein ziemliches Highlight. Da ließ ich es mir nicht nehmen
selbst mit zu plantschen, lange Hose hin oder her. Die kann man ja waschen.
Und außerdem war es ja nur klares Wasser und ein wenig Sand.
Tat DAS gut! Bei sowas bin ich selbst noch Kind.

  
Die meisten Tiere haben wir leider gar nicht gesehen und auch viele der anderen tollen Attraktionen nicht. Denn erstens tat meinem Mann der Fuß plötzlich wieder weh - was natürlich total blöd ist, wenn es ums Rumlaufen geht. Und zweitens zog plötzlich ein Gewitter auf, das sich gewaschen hatte. Da bin ich nur froh dass ich doch einen Draht für sowas habe und wir rechtzeitig den Abflug gemacht haben. Aber dort war ich sicher nicht das letzte Mal. Ich würde sehr gerne den Rest der überaus weitläufigen Anlage auch noch sehen. Wer kommt mit? :D